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Gespanntes Warten: Während die Arbeiten zur inneren Erschließung im Birresborner Gewerbegebiet "Auf dem Boden" begonnen haben, hat die Firma Aqua Spa, die sich dort ansiedeln möchte, bei ihrer Suche nach einem Geldgeber für ihren Neustart noch i

Birresborn/Gerolstein. "Es wird uns immer wieder so dargelegt, dass die Firmen ihre Pflichten erfüllen wollen." Mit diesen Worten antwortet Klaus Jansen, Leiter der Bauabteilung im Rathaus Gerolstein, auf die Frage nach dem aktuellen Stand im neuen Gewerbegebiet in Birresborn.

"Mit unserer Geschäftsidee ist eine Rendite zu erzielen"

Nachdem die Reifenfirma Leka Insolvenz angemeldet hat (der TV berichtete), gibt es auch von der anderen Firma, die sich ebenfalls dort ansiedeln wollte, noch keine Vollzugs-Meldung. So sagte Gerhard Friedel, Geschäftsführer von Aqua Spa, auf TV-Anfrage nach dem Stand der Dinge in Sachen Investorensuche: "Wir stehen derzeit mit zwei potenziellen Geldgebern in Kontakt. Ende dieses Monats wird klar sein, ob und wer bei uns einsteigt." Der Termin habe damit zu tun, so Friedel, dass eine der beiden Firmen "in der 39. Kalenderwoche mit einem Geschäftsabschluss rechnet". Das daraus resultierende Geld würde dann womöglich bei Aqua Spa investiert. Dabei soll es sich laut Friedel um "rund eine Million Euro" handeln.

Aqua Spa hatte seit Herbst 2006 in den ehemaligen Hallen von Phönix-Sprudel in Birresborn aus Gummigranulat Bewässerungssysteme hergestellt. Im Juni dieses Jahres hatte die Kreisverwaltung wegen nicht befolgter Brandschutz-Auflagen die dortige Produktion untersagt und die Räume versiegelt. Schon zuvor hatte die Firma verkündet, im neuen Birresborner Gewerbegebiet einen neuen, modernen Produktionsstandort zu errichten. Die angepeilte Produktionsstätte soll nach Worten des Geschäftsführers "rund 700 000 Euro" kosten. Die restlichen 300 000 Euro sind als "Startkapital" gedacht. Bei den beiden Firmen soll es sich "um reine Finanzleute" handeln - aus Deutschland. "Die möchten bei uns investieren, weil sie von unserer Idee überzeugt sind und davon ausgehen, dass damit eine Rendite zu erwirtschaften ist", berichtet Friedel.

Zu dem Umstand, dass er bereits für Ende Juli einen Vertragsabschluss angepeilt und als relativ sicher erachtet hat, meinte Friedel. "Tja, es ist halt ein Problem, wenn man mit potenziellen Investoren zu seiner ehemaligen Produktionsstätte geht und diese versiegelt ist."

Ihm sei daraufhin angeraten worden, "in der Eifel alles hinzuschmeißen und woanders neu anzufangen. Dann wären die sofort bei uns eingestiegen, aber das wollte ich nicht", sagt Friedel. Vielmehr fühle er sich "auch ein wenig verpflichtet, hier zu bleiben". Erstens, weil er das zugesagt habe, und zweitens, "weil wir hier damals wie die Könige empfangen wurden".

Die Tatsache, dass unter anderem wegen seiner Ankündigung, sich dort ansiedeln zu wollen, erst das neue Gewerbegebiet in Birresborn mit rund 1,2 Millionen Euro Steuergeldern erschlossen wird, nannte er hingegen nicht als Grund. Vielmehr sagte der Geschäftsmann: "Das ist eine Symbiose, denn hätten wir nicht das Startsignal gegeben, würde dort in 15 Jahren noch nichts passieren. Steht aber erstmal ein Gebäude, kommen andere nach. Es tut sich ja bereits was."

In der Tat: Ein Heizungsbauer aus Kopp hat nach Auskunft aus der Bauabteilung bereits eine Gewerbefläche im neuen Areal gekauft.

Derzeit wird für rund 60 000 Euro die innere Erschließung für die erste Ebene in Angriff genommen. Die Gesamterschließung des 35 000 Quadratmeter großen Areals kostet rund 1,2 Millionen Euro. Das Land steuert 720 000 Euro bei, der Kreis 60 000 Euro, für die restlichen 420 000 muss die Ortsgemeinde Birresborn aufkommen. Birresborns langjähriger Ortsbürgermeister Josef Bach kommentierte die aktuelle Entwicklung so: "Mein Gefühl? Vorsichtig optimistisch."

Meinung



Noch kein Fehlstart

Viele Jahre lag das potenzielle Gewerbegebiet "Auf dem Graben" brach, und nun, da es endlich Wirklichkeit wird, hat es alles andere als gute Startchancen. Von den beiden Firmen, die sich dort ansiedeln wollten und für die das Areal mit mehr als einer Million Euro an Steuergeldern überhaupt erst erschlossen wurde, hat die eine (Leka) zwischenzeitlich Insolvenz angemeldet. Es gibt aber zumindest den positiven Nebenaspekt, dass die für Leka vorgesehenen Flächen unbebaut und somit leichter an andere Investoren zu vermarkten sind. Bei Aqua Spa verzögert sich der angepeilte Start bereits seit Wochen, weshalb die Zahl derer, die nicht mehr an eine Ansiedlung des Bewässerungs-Spezialisten in Birresborn glauben, zunimmt. Erschwerend hinzu kommt, dass die auf der Kooperation der beiden Firmen basierende Idee, einen Rohstoff-Kreislauf (vom Altreifen zum Gummi-Grundstoff für Schläuche) herzustellen, geplatzt ist. Als dies absehbar war, waren die Steuergelder bereits verplant. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die Schwarzmaler unrecht behalten und Aqua Spa-Chef Friedel zu seinem Wort steht, an Birresborn festhalten zu wollen. Wenn es noch eines Arguments für den Wirtschaftsstandort Eifel bedarf: Die Verwaltungen bemühen sich in der Regel, unbürokratische und rasche Lösungen zu finden, um Arbeitsplätze zu schaffen. Und die Arbeitskräfte in der Eifel sind nachweislich engagiert, und sie identifizieren sich (bei gerechter Behandlung und Bezahlung) in einem derart hohen Maße mit "ihrer" Firma, wie es sonst eher selten zu finden ist.

Kontext
Datum 16.09.2008
Quelle Quelle: Trierischer Volksfreund
Unternehmen AquaSpa Deutschland GmbH
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