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Birresborn

Eifelgemeinde mit Herz

Jugend

Zu lange an das Gute geglaubt

Chance vertan: Birresborner Jugendtreff ist dicht

BIRRESBORN.(GABI VOGELSBERG) Der Eisenbahnwaggon als offener Treff im Jugendpark ist zu. Vorläufig, sagt der Jugendausschuss. Grund: Auswüchse in Form von Trinkgelagen. Der Waggon hatte sich rasch Verbandsgemeinde weit zum Party- und Szenetreff entwickelt.

"Hier ist alles aus dem Ruder gelaufen. Das waren die reinsten Saufgelage", schimpfen die unmittelbaren Anwohner. Bereits nachmittags um halb fünf seien die ersten "Scharen mit Schnapsflaschen unterm Arm" aus dem Zug gestiegen und in Richtung Waggon gezogen. "Zwei Glatzköpfe und ein Normaler haben meinen Sohn mit zwei Feuereisen bedroht", sagt eine Anwohnerin.

An der Grenze zum Hausfriedensbruch

Aus Angst vor Repressalien gegenüber ihren schulpflichtigen Kindern habe sie keine Anzeige erstattet. Der Jugendpark liegt unmittelbar am Bahnhof und am neuen Feuerwehrhaus. Auch Wehrführer Robert Benz klagt: "Die Jugendliche haben gegen das Gebäude uriniert, mit Bällen die Dachverkleidung bombardiert, Pflanzen rausgerissen und die Grünanlagen ruiniert." Fast zwei Wochen nach der Schließung spitzte sich wieder eine Situation zu. "Ein Feuerwehrkamerad wurde verbal so wüst attackiert, dass er den Gruppenführer und auch die Polizei informierte. Das alles grenzt schon an Hausfriedensbruch", meint Benz. Dabei ging es lediglich um zugeparkte Feuerwehreinfahrten. Fünf Kinder aus den umliegenden Häuser beschreiben die Verhältnisse aus ihrer Sicht: "Die haben uns immer weggejagt. Wir durften auch nicht mehr aufs Beachvolleyballfeld oder die Skaterfläche." Diese Bereiche des Jugendparks seien definitiv nicht von der Schließung betroffen, unterstreicht Johannes Burggraf, Stellvertreter des Bürgermeister und Mitglied des Jugendausschusses, die neue Vorgehensweise. Das es überhaupt so weit kommen konnte, erklärt Burggraf so: "Wahrscheinlich haben wir zu lange an das Gute geglaubt und deshalb mit der Schließung des Waggons gewartet. Wir hatten bis zuletzt allerdings auch auf die Unterstützung der Eltern gehofft." Für ihn sei unverständlich, dass Eltern scheinbar tolerieren, wenn 13- oder 14-Jährige alkoholisiert nach Hause kommen.

Auch Fritz Skambraks, Mitglied des Jugendausschuss, sagt fassungslos: "Vor zwei Wochen habe ich noch eine Kiste Stubbis bei Jugendlichen in dem Alter sichergestellt. Der Müllcontainer am Jugendpark quillt über mit leeren Flaschen. Da ist Sangria noch das Harmloseste, Wodkaflaschen finden sich zuhauf." Die Mitglieder des Jugendausschusses diskutierten äußerst kontrovers. Einige hätten schon eher für die Schließung gestimmt, verrät Skambraks.

Bei Kontrollen stellte der Jugendausschuss schließlich fest: "Immer mehr auswärtige Jugendliche waren da. Nach und nach verdrängten sie die Birresborner Jugendlichen, die noch an den aufgestellten Regeln (Alkohol- und Rauchverbot) festhalten wollten." Dies bestätigen auch die Anwohner und der Wehrführer gegenüber dem Trierischen Volksfreund . Frank Kerner von der Gerolsteiner Polizeiwache erklärt: "Wir haben die Ermittlungen aufgenommen und bleiben dran. Außerdem werden häufiger Kontrollen vorgenommen." Allerdings seien den Beamten auf öffentlichen Plätzen "meist die Hände gebunden", wenn keine konkreten Anzeigen vorliegen würden. Burggraf macht deshalb unmissverständlich klar: "Wir werden ab sofort jeden Jugendlichen, der Alkohol mitbringt, anzeigen. Vielleicht wird dann auch so mancher Erziehungsberechtigter mal wachgerüttelt." Andreas, 25 Jahre alt und Mitglied des Jugendausschusses, steht voll dahinter: "Die Regeln für den offenen Treff im Waggon war mit allen, auch den Jugendlichen, abgesprochen."

Wir geben ihnen die letzte Chance"

Der Waggon war ursprünglich für die Birresborner Jugendlichen ab 15 Jahre gedacht. "Wir geben denen jetzt eine letzte Chance", sagt Burggraf. Skambraks lässt keinen Spielraum mehr für "derartig massive Grenzüberschreitungen": "Aber nur, wenn sie uns eine Namensliste geben, wer wochenweise die Verantwortung fürs Einhalten der Regeln, Müllentsorgung und Schlüsselübergabe übernimmt, mitliefern." Ansonsten würden schon die Jüngeren parat stehen und gerne in diese Position schlüpfen. Obwohl, der Waggon sollte aber gerade der privilegierte Platz sein, an dem die Älteren ungestört sein könnten. Weil die jüngeren Gruppen nachrücken können, sieht Skambraks die geflossenen Bundes- und Gemeindemittel als gerechtfertigt an. "Außerdem ist der Waggon nur ein Teil des Jugendparks. Alles andere ist ja nach wie vor offen", erklärt er. Der Birresborner Jugendausschuss will weiter am bisherigen Konzept festhalten. "Wir kriegen es in den Griff, aber es dauert. Jugendarbeit ist meist mit Problemen behaftet, denen wir uns aber stellen", sagt Burggraf stellvertretend für die acht ehrenamtlichen Jugendvertreter.

Ein hauptamtlicher Streetworker oder Jugendarbeiter für die Birresborner Kinder und Jugendliche sei nicht finanzierbar. Vor kurzem verteilte der Ausschuss an die Anlieger des Jugendparks einen Info-Brief. Darin wird versprochen, "dass Sperrzeiten festgelegt werden, in denen zum Schutze der Anwohner keine Aktivitäten stattfinden dürfen." Außerdem werden auch da die "betroffenen Eltern an die Verantwortung für das Verhalten der Jugendlichen" erinnert.

Kontext
Datum 30.06.2002
Quelle Quelle: Trierischer Volksfreund
Fotoalben Vandalismus im Jugendpark
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