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Birresborn

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Bürgermeisterwahl ganz ohne Propaganda

Bei der Ferienfreizeit des Jugendamtes Daun üben sich 52 Kinder im sozialen Gemeindeleben

BIRRESBORN. (vog) "Wir bauen ein Dorf" - unter diesem Motto werkeln 52 Sieben- bis Elfjährigen mit Begeisterung zwei Wochen lang im Jugendpark Birresborn. Die Veranstaltung ist Teil der Sommerferienfreizeit des Jugendamtes Daun.

"Ich bin nur dabei, weil wir hier tolle Holzhütten bauen", sagt der zehnjährige Florian aus Weiersbach. Florian gehört genauso wie sein achtjähriger Bruder Sven zu den Roten. Betreuerin Jutta erklärt das Farbenspiel: "Gleich am ersten Tag haben wir die Nasen der Kinder in Rot, Grün, Gelb, Schwarz oder Gold angemalt. Wer zu welcher Gruppe gehört, war dann sofort klar."

Kreisjugendpflegerin Nadine Friedrich hat das Hüttendorf nach einem ausgeklügelten pädagogischen Konzept geplant: "Durch das spielerische Gemeindeleben wollen wir einüben, Konflikte durch faire Kompromisse zu lösen." Die Kinder entscheiden, welche Aufgabe ihre Hütte in der Dorfgemeinschaft übernehmen soll. Die Schwarze Gruppe ruft fröhlich: "Wir bauen die Diskothek."

Das Gelbe Team hat sich noch nicht entschieden, aber schon eine Leiter für den Aufstieg aufs Dach und eine gemütliche Liege für die Veranda gebaut. "Auch einen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin werden wir wählen", sagt Friedrich augenzwinkernd, "aber ganz ohne Wahlpropaganda".

An einem Regentag der vergangenen Woche ruhten die Bauarbeiten. "Da haben wir bunte Fahnen für unsere Hütten bemalt", sagt Jeruscha aus Nohn. Sie ist begeistert, "alles selbst machen zu dürfen". "Dann ist es auch egal, wenn man sich mal mit dem Hammer auf die Finger schlägt", meint Matthias aus Kelberg zu einer weniger tollen Erfahrung.

Neben den Bauarbeiten sorgen Ausflüge für Vergnügen: "Die Zugfahrt nach Gerolstein und der Besuch der Kasselburg waren echt super", sagen Matthias und sein Freund unisono.

Ein weiterer Höhepunkt: Förster Hubert Rick stellt mit einem Quiz das Wissen der Hüttenbauer in puncto Wald und Wild auf den Prüfstand. Auch zu den Birresborner Eishöhlen fahren die 52 Kinder und ihre zwölf Betreuer. Und eine Sozialpädagogin von Pro-Familia erklärt den Kindern alles zum Thema "Meine Rechte ­ Deine Rechte".

Zwei Wochen dauert die Freizeit und endet am heutigen Freitag mit einem großen Fest. "Zu der Einweihungsparty des Hüttendorfes sind alle Geschwister, Eltern und Großeltern eingeladen", sagt Friedrich. Bis dahin hat die neunjährige Jessica aus Jünkerath ihren Dorfausweis wohl voll: In dem Bonusheft kann jedes Kind täglich maximal vier Stempel sammeln. "Wer sich daneben benimmt, bekommt weniger Stempel", sagt Betreuerin Jutta.

"Den Großteil der Latten haben wir vom Birresborner Sägewerk Hellen bekommt", sagt Betreuer Andreas. Restliches Baumaterial haben die Organisatoren des Jugendamtes besorgt. "Werkzeug haben die meisten Kinder von zu Hause mitgebracht", sagt Andreas mit einem Fingerzeig auf proppenvolle Werkzeugkisten. Für ihn hat die Freizeit noch einen weiteren positiven Aspekt: "Die Kinder kommen aus allen sozialen Schichten, aber davon ist hier nichts zu spüren." Und Betreuerin Marlies fügt hinzu: "Alle haben alte Kleidung statt teuren Designer-Klamotten an."

Kontext
Datum 09.08.2002
Quelle Quelle: Trierischer Volksfreund
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