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Birresborn

Eifelgemeinde mit Herz

Gewerbe

Kaum Kritik an Mega-Hühnerfarm

In Birresborn hat das potenzielle Investorenduo die Pläne für eine Mega-Hühnerfarm mit 330 000 Legehennen im Gewerbegebiet nahe Birresborn vorgestellt. Die große Mehrheit der 130 Besucher stand, nachdem ihre Fragen beantwortet wurden, dem Vorhaben positiv gegenüber. Frühester Produktionsstart des Zwölf-Millionen-Euro-Projekts: 2016.

Birresborn. Nach der mehr als zweistündigen Informationsveranstaltung zum angedachten Groß-Legehennenbetrieb im brachliegenden Gewerbegebiet Auf dem Boden sagte Ortsbürgermeister Michael Zander dem TV: "Ich bin froh, dass so viele Bürger gekommen sind. Und ich habe den Eindruck, dass die Stimmung gegenüber dem Vorhaben überwiegend positiv war."
Rund 130 Birresborner und weitere Interessierte waren in den Bürgersaal gekommen, um sich aus erster Hand vom potenziellen niederländischen Investorenduo Johann und Pieter Smits, dessen Berater Bert Wagemakers, dem beauftragten Planungsbüro sowie Vertretern der Genehmigungsbehörden aus erster Hand informieren zu lassen.
Eine Aussage, ob und wann der Ortsgemeinderat über das Vorhaben sprechen und den Startschuss geben werde, ließ sich Zander nicht entlocken. Er sagte: "Die Meinungsbildung im Ort fängt jetzt erst an. Ich lege mich heute auf keinen Termin fest."

Was ist geplant? Pieter Smits betreibt bereits einen Legehennenbetrieb in Gilze en Rijen, der niederländischen Partnerstadt Gerolsteins, sowie im niedersächsischen Vechta. Gemeinsam mit seinem Bruder Johann, Inhaber einer großen Baumschule, will er das gesamte rund 35 000 Quadratmeter große und seit fünf Jahren brachliegende Gewerbegebiet Auf dem Boden nahe Birresborn kaufen und dort eine Mega-Hühnerfarm für 330 000 Legehennen aufbauen und betreiben. Täglich sollen dort rund 300 000 Eier produziert werden. Für Produktionshelfer sollen je acht Arbeitsplätze in Voll- und in Teilzeit entstehen.

Was kostet das Vorhaben? Die Investitionskosten für die Firma beziffert Pieter Smits auf "zehn bis zwölf Millionen Euro". Er sagt: "Jeder Tierplatz koste 30 bis 35 Euro. Daneben müsste auch die Gemeinde noch investieren: in die Resterschließung von rund 10 000 Quadratmetern Gewerbefläche sowie den Bau einer Linksabbiegespur auf der L 26. Die Kosten dafür bezifferte Zander mit rund 200 000 Euro.

Wie werden die Tiere gehalten?
Geplant ist eine mehrstöckige Bodenhaltung in Volieren, bei denen laut Gesetz maximal 18 Hennen pro Einheit zugelassen sind. Die Belüftung erfolgt über eine zentrale Anlage mit Filter, die Exkremente werden über ein Fließband abtransportiert. Der Kot wird eine Woche im Stall gelagert und jede Woche per LKW zu einer Biogasanlage abtransportiert und dort weiterverarbeitet. Die Tiere kommen im Alter von 18 Wochen in den Legebetrieb, wo sie 62 Wochen bleiben und im Schnitt ein Ei pro Tag legen. Im Alter von 80 Wochen werden sie zum Schlachter transportiert und durch Jungtiere ersetzt. Laut Firmeninhaber Smits sterben durchschnittlich "vier bis fünf Prozent der Tiere im Stall". Das sind bei 330 000 Tieren jährlich um die 15 000 Tiere. Die Kadaver sollen wöchentlich vom Abdecker abgeholt werden.

Mit welchen Emissionen ist zu rechnen? Laut vorläufiger Berechnung der beauftragten Planer wird es zu keiner Geruchs- oder Staubbelastung für die Anwohner ringsum kommen. Der Grund: Sie sind weit genug entfernt. Bereits ohne Abluftanlage müsste der Schutzabstand zur nächsten Wohnbebauung laut Gesetz 546 Meter betragen. Die nächste Wohnbebauung - ein Aussiedlerhof im Südwesten - liegt 850 Meter entfernt. Bis nach Birresborn sind es 1400 Meter, bis zur Eifel-Kaserne 1500 Meter und bis nach Lissingen 1800 Meter. Dennoch sollen nach Angaben der Investoren Abluftanlagen eingebaut werden.
Die zu erwartende Stickstoffbelastung aber liegt deutlich über dem Grenzwert für den Wald und besonders die nahe gelegenen Natur- und Vogelschutzgebiete. Die Planer arbeiten derzeit daran, wie die Belastung reduziert und Ausgleichsmaßnahmen geschaffen werden können.

Wie oft wird kontrolliert? Die Einhaltung aller Grenzwerte sowie des Tierschutzes wird laut Bernhard Schmitt von der Regionalstelle Trier der Gewerbeaufsicht der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord "mindestens alle drei Jahre vorgenommen". Firmenchef Smits kündigte darüber hinaus an, dass in seinen Hühnerfarmen alle zwei Wochen der Tierarzt komme.

Wie stark nimmt der Verkehr zu? Nach Angaben der Investoren fahren pro Woche 25 LKW den Legehennenbetrieb an. Elf davon transportieren die Eier ab, sieben bringen Futter, weitere sieben transportieren den Kot zur Biogasanlage ab - vermutlich zu der nach Wiesbaum, wie Smits sagte. Hinzu kommen die wöchentliche Abfuhr der Tierkadaver und der sukzessive Austausch der 330 000 Alttiere gegen Jungtiere, der zahlreiche weitere Fahrten nötig macht.

Was verdient die Gemeinde? Das hängt maßgeblich davon ab, ab wann die Firma Gewinn macht. Smits geht davon aus, dass das drei Jahre nach dem Start der Eierproduktion der Fall ist. Auf jeden Fall soll die neue Firma in Birresborn angemeldet werden, damit das Dorf die Gewerbesteuer bekommt. Über den Kaufpreis des Gewerbegebiets wurde geschwiegen. Er wird laut Zander aber "deutlich über den ursprünglichen 2,56 Euro pro Quadratmeter" liegen.

Wie sieht der Zeitplan aus? Bis Jahresende will das Planungsbüro alle Unterlagen zusammenhaben. Sobald der Ortsgemeinderat sich für das Vorhaben ausgesprochen hat, soll die Genehmigung beantragt werden. Für dieses Verfahren werden sieben Monate angesetzt, wegen der Einspruchsmöglichkeiten kann es aber deutlich länger dauern. Ab Genehmigung dauert es rund ein weiteres Jahr, so Smits, bis die Anlage stehe. Frühester Produktionsstart wäre demnach 2016.

Meinung

Überwiegend Applaus

Der spontane Applaus nach dem Redebeitrag des Birresborner Bürgers Karl Seidel ("Lasst uns rasch zu Potte kommen. So eine Chance, das Gewerbegebiet mit einem Schlag an den Mann zu bringen, bekommen wir nicht wieder.") trifft die derzeitige Stimmungslage im Dorf: Massentierhaltung will zwar keiner so richtig. Aber sie ist weit genug vom Dorf weg, bringt der Gemeinde Geld, und löst endlich das Problem des brachliegenden und teuren Gewerbeareals. Moralische Bedenken: Fehlanzeige. Allenfalls die Angst, man könnte im Dorf doch noch etwas vom Gestank und Staub der Mega-Legebatterien mitbekommen, treibt derzeit die Birresborner ein wenig um. Es deutet vieles darauf hin, dass die Idee der Tierfabrik im Kylltal schon bald Realität wird. m.huebner@volksfreund.de

Kontext
Datum 22.10.2013
Quelle Quelle: Trierischer Volksfreund
Unternehmen Huehnerfarm
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