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Birresborn

Eifelgemeinde mit Herz

Gewerbe

Offener Brief An Herrn Bürgermeister Michael Zander und die Mitglieder des Gemeinderates Birresborn

Betr.: Geplante „Hühnereierfabrik“ im Gewerbegebiet Birresborn „Auf dem Boden“

Sehr geehrter Herr Zander, liebe Gemeinderatsmitgliederinnen und Mitglieder, leider habe ich an der Bürgerversammlung zur geplanten Hühnerei-fabrik in Birresborn am 21.10.2013 nicht teilnehmen können. Umso größer war mein Entsetzen, als ich die Pläne über dieses Mammutprojekt im „Trierischen Volksfreund“ gelesen habe. Eine neue, riesige Massentierhaltung vor den Toren Birresborns! Unglaublich! Als Birresborner Bürgerin verstehe ich, dass Sie die auf den ersten Blick verlockende Chance, das kostspielige, leerstehende (noch nie genutzte) Gewerbegebiet endlich loszuwerden, nutzen möchten. Endlich das durch enorme Fehlplanung entstandene Finanzloch stopfen – aber doch nicht um jeden Preis! Abgesehen von der nicht artgerechten Haltungsform, die ich verabscheue, würde Birresborn als Erholungs-Urlaubs-Wohnort erheblichen Schaden nehmen, wenn – inmitten von Naturschutzgebieten – eine solche Fabrik entstünde.Soll Birresborn – statt wie früher als Ursprungsort des guten „Birresborner Sprudels“ – künftig als Ort der stinkenden Hühnereifabrik, als profitorientierte Gemeinde, die sich über Tier- und Naturschutz hinwegsetzt, assoziiert werden?
Apropos Sprudel – meines Wissens ist die Ursache der Verunreinigung der Sprudelquelle, die unser Sprudelwerk zur Schließung zwang, nie geklärt worden. Die damals in unmittelbarer Nähe stehende Fabrikanlage wird von vielen Bürgern als Verursacher nach wie vor verdächtigt, auch, wenn es nie bewiesen werden konnte. Soviel zu der Annahme, man könne Schäden an der Umwelt und dem Grundwasser in der Nähe einer Fabrik 100%-ig ausschließen.

Bedenken Sie die Nähe zur liebevoll für den Tourismus restaurierten „Lindenquelle“, die unmittelbare Nähe zur Kyll. Eine Verunreinigung des Grundwassers (bei diesen enormen Mengen an Ammoniak/Nitrat zweifellos nicht auszuschließen) hätten nicht nur für die Einheimischen kaum absehbare Folgen, sondern auch für die Angler – und gerade der Angelsport wurde doch in letzter Zeit auch als Touristenattraktion sehr gefördert.

Es ist ferner naiv zu glauben, selbst modernste Filteranlagen würden eine Geruchsbelästigung gänzlich verhindern können – insbesondere bei einer derartigen Emmissionsmenge! Was passiert bei einem Ausfall der Filteranlagen? Wie leiden die unmittelbaren Anwohner, des „Bahnhäuschens, des „Ferienhauses Laura“, der umliegenden Gemeinden?

Mühsam versucht man seit Jahren, den „Eifel-Tourismus“ anzukurbeln. Wer unser schönes Birresborn als Naturliebhaber besucht, wird sicherlich von einer derart massiven Imageschädigung abgeschreckt.

Unglaublich auch, dass man in Birresborn beispielsweise für die „KiTa“ höchsten Wert auf biologisch-gesunde Ernährung legt, die Kleinsten bereits für bewussten Umgang mit Nahrung und Natur sensibilisiert, auf dem „Pfarrfest“ fair gehandelte Produkte nutzt – und nun gleichzeitig eine solche Anlage plant! Auch aus gesundheitlichen Gründen halte ich eine solche Massentierhaltung für äußerst bedenklich und zwar aus folgenden Gründen:
Es besteht die Gefahr:

vermehrten Auftretens multiresistenter Keime durch die bei Massentierhaltung übliche „prophylaktische“ Antibiotikagabe bereits mit dem Futter („MRSA“, multiresistenter „E.coli“-Keim).
Vermehrtes Auftreten beispielsweise von Salmonellosen und anderen Zoonosen
Gelangen der Antibiotika ins Grundwasser
Erhöhte Gefahr des Auftretens von durch Geflügel mitübertragenen Seuchen wie beispielsweise „Vogelgrippe“
Nicht ohne Grund sind die ersten Krankheits- und Todesfälle infolge der „Vogelgrippe“ im asiatischen Raum insbesondere in räumlicher Nähe zu den dort bekanntlich stark verbreiteten Geflügel-Massenhaltungen. Interessieren würden mich in diesem Zusammenhang auch folgende Fragen:

Wie steht eigentlich das hiesige Gesundheitsamt/Veterinäramt zu den Plänen?
Gibt es bereits Stellungnahmen des Amtsarztes, Dr. Volker Schneiders, oder des Amtstierarztes?
Wie gedenkt der Betreiber der geplanten Großanlage die deutschen Auflagen durch Betreuung eines (deutschen), auf Geflügelhaltungen dieses Ausmaßes spezialisierten Tierarztes, zu organisieren? Anders als in den norddeutschen „Ballungsgebieten“ für Geflügelhaltung und -Zucht sind entsprechend Spezialzierte Tierärzte in der Eifel rar… und bei einem Großbetrieb in Birresborn gelten natürlich die einschlägigen deutschen Gesetzesvorschriften für Haltung und Medikamenteanwendung, die sich womöglich gravierend von den niederländischen oder belgischen unterscheiden.
Ferner möchte ich noch einige finanzielle Fragen ansprechen, die mir in dem Zusammenhang nicht klar sind:

Wie sieht die „Vorfinanzierung“ durch die Gemeinde aus und wie wird diese abgesichert?
Gibt es diesmal (!) kompetente, seriöse Berater? Welche?
Welche Sicherheiten bietet der niederländische Investor?
Was geschieht im Falle einer Insolvenz bzw. einem Zurücktreten des Investors von dem Projekt vorab? Wer haftet dann, wenn die Gemeinde schon Vorleistungen erbracht hat? Der Gemeinderat mit dem persönlichen Eigentum, der Investor? Bekanntlich ist die ganze Misere mit dem besagten leerstehenden Industriegebiet ja überhaupt erst dadurch entstanden, dass man naiv auf EINEN Investor setzte, der dann leider Pleite ging.
Wie kommt der niederländische Investor ausgerechnet auf Birresborn – welche anderen Standorte hat er geprüft, aus welchen Gründen wurden diese abgelehnt?
Was passiert, wenn man – wie an anderen Standorten feststellt, dass es doch zu Geruchsbelästigungen, Grundwasserverunreinigungen etc. kommt – und die Anlage in Betrieb ist? Wurde über Alternativen nachgedacht, oder bleibt dann ein leerstehendes Industriegebiet mit einer leerstehenden Großanlage? Denn steht erst einmal dieser Mammutbau, wird es schwer bis unmöglich sein, weitere Schutzmaßnahmen zu ergreifen bzw. das Projekt rückgängig zu machen.
Meiner Meinung nach sollte jeder verantwortungsvolle Bürger jetzt seine Stimme gegen dieses Projekt und diese Tierquälerei erheben und ein Zeichen für Tier- und Menschenschutz und Tourismus setzen – insbesondere auch solche, die in Berufen mit sozialer Verantwortung arbeiten. Also beispielsweise Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von KiTas, Lehrer, Ärzte, Tierärzte, Krankenhausmitarbeiter, Angehörige caritativer und kirchlicher Einrichtungen und solche, die sich dem Naturschutz ansonsten besonders verpflichtet fühlen, wie Förster und Mitarbeiter des Forstamtes (!).

Lieber Gemeinderat, Sie haben nicht nur eine Verantwortung für die finanziellen Belange der Gemeinde, sondern – mindestens ebenso wichtig – eine ethisch moralische Verpflichtung den Bürgerinnen und Bürgern und dem Wohl der Gemeinde gegenüber. Hoffentlich siegt Ihr Verantwortungsgefühl über das Profitdenken – damit es nicht statt der lobenswerten Aktion „Birresborn blüht auf“ bald heißt: „Birresborn stinkt“ oder „Birresborn duldet Tierquälerei aus Profitgier“.
Mit freundlichen Grüßen Daniela Peters, Birresborn

Kontext
Datum 01.11.2013
Quelle Quelle: Eifelzeitung
Unternehmen Huehnerfarm
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