Hier leben ist wie Urlaub machen...

Birresborn

Eifelgemeinde mit Herz

Pfarrgemeinde

Glaube im Alltag: Quo vadis, Kirche?

Keiner fragt - Kirche antwortet. Dieser Sarkasmus kommt mir in den Sinn, wenn ich Verlautbarungen unserer Bischofskonferenz und unserer Kirchenleitungen zu Gesicht bekomme: Da gibt es keine aktuelle Problematik, zu der nicht offiziell Stellung genommen wird. Die vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz herausgegebenen Stellungnahmen und Arbeitshilfen gehen in die Hunderte. Wer weiß, dass es sie gibt? Wer liest sie? Wer lebt danach?

Das Kirchliche Amtsblatt kommt monatlich: In vielen Punkten werden Verordnungen bekannt gegeben, Änderungen, Gesetzesnovellen angepasst.

Wer blickt da noch durch?

Pfarrbüro 8.30 bis 12.00 Uhr: Hier geht es um einen Blitzableiter, dort um einen Sturmschaden, hier um einen Arbeitsvertrag, dort um einen Termin; hier geht es um eine Messbestellung, dort um die Kollekten; hier geht es um einen Ortstermin, dort um eine Baumaßnahme; hier geht es um einen Rückruf, dort um eine Anfrage wegen eines Grundstücks. Was tut der Pastor eigentlich wochentags?

Diese drei Ebenen von Kirche zeigen, wie sehr wir verwaltet sind, wie sehr uns die Verwaltung beschäftigt, wie sehr Kirche mit sich selbst statt mit den Menschen, nahe bei den Menschen, beschäftigt ist. Überorganisiert, überangepasst.

Dass Kirche noch etwas von Jesusähnlichkeit und seiner Authentizität ausstrahlt, verdankt sie hauptsächlich ehrenamtlich Tätigen, die unter (An)Leitung des Gemeindeleiters helfen, die Frohe Botschaft ins Gespräch zu bringen, das Gottesgerücht weiterzusagen. Gemeinde vor Ort lebendig zu halten.

Von dem Bischofsbesuch, der gestern in der Region Westeifel angesagt war, erhoffe ich mir ausdrückliche Stärkung der Laien in den Gemeinden, nicht nur Diskussionen über neue Strukturen und Organisationsebenen; statt Diskussionen ­ Visionen!

Gerhard Schwan, Pfarrer von
Birresborn-Densborn-Mürlenbach

Kontext
Datum 09.11.2002
Quelle Quelle: Trierischer Volksfreund
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