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Birresborn

Eifelgemeinde mit Herz

Gewerbe

Gestein statt Geflügel

Das für mehr als eine halbe Million Euro erschlossene und seit Jahren brach liegende Gewerbegebiet "Auf dem Boden" vor den Toren Birresborns wird endlich genutzt.

(Birresborn) Das für mehr als eine halbe Million Euro erschlossene und seit Jahren brach liegende Gewerbegebiet "Auf dem Boden" vor den Toren Birresborns wird endlich genutzt. Die Baufirma Thelen aus Wallersheim übernimmt das gesamte Areal, siedelt komplett um und will dort unbelasteten Bauschutt und Straßenaushub recyclen. Vorverträge sind unterzeichnet.

Birresborn. Erst vor zwei Jahren haben die Pläne des Birresborner Gemeinderats, im Gewerbegebiet "Auf dem Boden" eine riesige Geflügelzucht anzusiedeln, hohe Wellen geschlagen und viele Bürger auf die Barrikaden gebracht. Letztlich beugte sich das Kommunalparlament dem Druck der Straße und nahm Abstand von den Plänen (der TV berichtete mehrmals).
Es kehrte wieder Ruhe im Dorf ein, aber auch um das Gewerbegebiet. Nicht wenige sahen in der Hühnerfabrik die letzte Chance, das 2007/2008 erschlossene Gewerbegebiet mit rund 25 000 Quadratmetern Nutzfläche (bei einer Gesamtfläche von 35 000 Quadratmeter) an den Mann zu bringen. Denn Interessenten fanden sich bis dato kaum welche. Doch das Gebiet, für das die Gemeinde 600 000 Euro Kredit aufgenommen hatte, ist seit Jahren ein Klotz am Bein, da sie jährlich 36 000 Euro Zins und Tilgung zahlen muss. Nun hat sich das Blatt schlagartig gewendet.
"Die Firma Thelen-Bau ist auf uns zugekommen, und nach mehreren Gesprächen haben wir dem Vorhaben im Gemeinderat einstimmig zugestimmt. Ein richtiger Glücksfall, denn es passt einfach", sagt Birresborns Ortsbürgermeister Gordon Schnieder und fügt hinzu, dass inzwischen die Vorverträge für die Übernahme des gesamten Areals unterzeichnet seien. Schnieder sagt: "Die Gemeinde hat jahrzehntelang vom Gesteinsabbau gelebt, und wenn dort jetzt unbelasteter Bauschutt und Straßenaushub recycelt werden soll, ist das eine konsequente Fortführung."

Er ist sich sicher, dass im Dorf niemand von den Arbeiten belastet werde, da das Areal weit genug von der Wohnbebauung entfernt sei. Zudem würde all dies noch im Rahmen einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung geprüft. "Ich habe noch kein kritisches Wort dazu gehört", sagt der Ortsbürgermeister.
Auch die Baufirma ist froh mit dem neuen Standort. So sagt Mit-Geschäftsführerin Walburga Spoo: "An unserem bisherigen Standort haben wir keine Möglichkeiten der Expansion. Daher ist das Areal in Birresborn wie für uns geschaffen."
Neben der "normalen" Baufirma mit 15 Beschäftigten und einem großen Fuhrpark - vom Minibagger über Walzen bis hin zum 25-Tonnen-Kettenbagger - will das Unternehmen dort auch eine Recyclingfirma gründen und ansiedeln. "Das neue Abfallwirtschaftsgesetz sieht vor, dass ab 2017 deutlich mehr Recyclingmaterial beim Straßenbau verwendet werden muss. Daher haben wir mit dem Thema schon seit Längerem geliebäugelt. Jetzt haben wir das neue Unternehmen gegründet", sagt die Bauunternehmerin.
Dafür werden Container errichtet sowie eine Brecher- und eine Siebanlage installiert - zudem werde noch eine Werks- und Fahrzeughalle samt Verwaltungstrakt errichtet. Verarbeitet werden soll "Bauschutt, zum Beispiel von Häuserabrissen, und der Unterbau von Straßen, alles unbelastet", wie Walburga Spoo ausführt. Zunächst solle bei der Recyclingfirma mit "zwei bis drei Leuten angefangen werden, dann sehen wir weiter".
Auch ihr gefalle der Standort, weil er weit genug weg vom Dorf sei, "denn uns ist ein gutes Miteinander sehr wichtig". Rund eine halbe Million Euro" beträgt die Investition der Baufirma laut Aussage von Walburga Spoo.
Für den Kauf der Fläche muss die Baufirma aber nichts bezahlen. "Wir haben ein Tauschgeschäft vereinbart: Wir überlassen der Firma das Areal, dafür baut sie selbst die geforderte Linksabbiegespur auf der Landesstraße und auch die Erschließungsstraße im Gewerbegebiet", sagt Schnieder.
Dieses Vorgehen sei sowohl mit der Kreisverwaltung als auch mit dem Landesbetrieb Mobilität abgesprochen. Bei einem angenommenen Preis von fünf Euro pro erschlossenem Quadratmeter Gewerbefläche, käme bei 25 000 Quadratmetern Nutzfläche eine Summe von 125 000 Euro heraus. Schnieder sagt: "Die Linksabbiegespur hätte uns auch einen sechsstelligen Betrag gekostet. Uns war einfach wichtig, dass die Gemeinde nicht noch weitere finanzielle Belastungen durch das Gewerbegebiet auf sich nehmen muss."
An Einnahmen, etwa durch Gewerbesteuer, denkt der Ortsbürgermeister nach eigenem Bekunden, zuallerletzt. Für ihn sei wichtiger: "Das Areal wird sinnvoll genutzt, und eventuell entstehen dort noch einige Arbeitsplätze - auch im Hilfsarbeiterbereich. Denn die können wir auch gebrauchen."

 

Meinung: Gutes Geschäft für beide Seiten

Die Übernahme des Gewerbegebiets "Auf dem Boden" durch die Baufirma ist ein gutes (Tausch-)Geschäft. Für beide Seiten. Die Firma erhält zum Schnäppchenpreis (sie muss lediglich auf eigene Kosten die Linksabbiegespur bauen und die Erschließungsstraße verbreitern) ein Areal nach Wunsch: fertig erschlossen, für sich alleine und weit weg vom Dorf, sodass niemand massiv gestört wird. Die Gemeinde nimmt zwar nichts ein und muss weiter ihren Kredit bedienen, sie ist aber die Vermarktung los. Eventuell entstehen neue Jobs und es fließt Gewerbesteuer. Denn die Recycling-Idee ist zukunftsträchtig. m.huebner@volksfreund.de

EXTRA

Nachdem die Vorverträge zwischen Gemeinde und Baufirma zur Übernahme des Gewerbegebiets unterzeichnet sind, schwebt ihnen folgender Zeitplan vor: Die Pläne für die Umnutzung werden zeitnah offengelegt. Parallel beantragt die Firma die immissionsschutzrechtliche Genehmigung. Falls die Genehmigung bis Jahresende vorliegt, will die Firma im Frühjahr 2016 mit dem Bau der Linksabbiegespur und der Verbreiterung der Erschließungsstraße beginnen. Danach soll die Werks- und Fahrzeughalle samt Verwaltungstrakt errichtet werden und die Umsiedlung erfolgen. mh

Kontext
Datum 09.10.2015
Quelle Quelle: Trierischer Volksfreund
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