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Birresborn

Eifelgemeinde mit Herz

Pfarrgemeinde

Volkstrauertag 2002

Leider ist das Gedenken am Volkstrauertag in diesem Jahr im wahrsten sinne des Wortes ins Wasser gefallen.

Musikverein, Kirchenchor und Männergesangverein sowie die Feuerwehr und einige Zuschauer der Ortsgemeinde gaben am Samstag trotz strömenden Regens dem Gedenken ihre Anteilnahme. Aufgrund des Regens war allerdings kaum etwas zu verstehen.

Aus diesem Grunde möchten wir zumindest die Ansprache des Ortsbürgermeister Josef Bach hier veröffentlichen:

Liebe Mitbürger !

Heute sind wir hier zusammengekommen, um uns zu erinnern. Wir erinnern uns der Toten, die nicht am Ende eines erfüllten Lebens starben, sondern ihr Leben hingeben mussten, weil die Welt wieder einmal keinen Weg zum Frieden gefunden hatte. Dieses gilt ebenso uneingeschränkt für Terror und Gewalt in der ganzen Welt. Solche Tote sind immer Opfer der Politik, ob sie diese Politik einst begeistert mittrugen oder sich von ihr überwältigt fühlten. Sie wurden hier auf den Gedenktafeln aufgeschrieben sowie überall Angehörige vieler anderer Völker auf den riesigen, bedrückenden Feldern des Todes ruhen. Zu ihnen gehören auch jene, die wegen ihres Glaubens, ihrer Rasse, oder ihrer politischen Überzeugung zu Opfern wurden. Sie alle sind stumm. Weil die Toten schweigen, fängt alles wieder von vorne an, hat einmal einer gesagt. Deshalb sind wir aufgerufen, die Sprache der Verstummten zu vernehmen, denn sie haben uns in ihrem Stummsein etwas zu sagen. Sie fordern uns auf, sie aus ihrem Schweigen zu erlösen, damit die Mahnung zu wachsen vermag. Die Jungen freilich mögen denken, für das, was die Väter taten und versäumten, nicht haften zu müssen, Ihnen rede ich ins Gewissen: Ihr könnt Euch aus der Haftung für die Folgen der Schuld, die Eure Väter auf sich luden, nicht durch die Einrede befreien, ihr seiet damals nicht dabei gewesen, als das Volk in Schuld fiel. Was ginge Euch denn diese Schuld an ? Es geht hier aber nicht nur um Schuld. Es geht auch um die Haftung für die Folgen der Schuld von den Älteren. Für die eigene Schuld ist es wohl von geringer Bedeutung, ob und inwieweit auch andere Völker Schuld auf sich geladen haben, denn einiges Unrecht kann nicht mit von anderem begangenen Unrecht entschuldigt werden. Letztendlich ist es auch gleich, wo die Ursachen liegen, die zu diesen verhängnisvollen Kriegen führten, die sich immer mehr verselbstständigten und sehr bald, einige Wert- und Normsysteme schufen. Schuld mag jeder für sich definieren. Letztendlich steht doch fest, dass aus ihr auch und vor allem für unser Volk die Verpflichtung als erste Konsequenz erwächst, mit allen Mitteln und Fähigkeiten dazu beizutragen, ein solches Völkerringen in Zukunft zu vermeiden. Unser Gedenken gilt jedoch nicht nur den Kriegopfern - nein - auch in besonderer Weise den Opfern von Terror und Gewalt auf der ganzen Welt. Zur Zeit sind wir auf dem ganzen Erdball bedroht ? Wo können wir uns eigentlich noch sicher fühlen ? Deshalb sind wir ob jung oder alt aufgerufen, alles zu tun, damit Kriege und Terror vermieden werden können. Somit beinhaltet der Volkstrauertag eine Verpflichtung für uns alle, den Frieden zu bewahren und Vergangenes vermeiden wollen. Alter und unmittelbares Erleben spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Wichtig, ja am Wichtigsten, ist der Wille, aus der jüngsten Geschichte für die Zukunft lernen zu wollen.

Es ist Aufgabe eines jeden einzelnen, im Angesicht des millionenfachen Todes für sich, unter Beachtung der Würde des Mitmenschen und mit Toleranz gegenüber dem Anderen, einen Weg zu finden, der Miteinander ermöglicht. Nicht Abrüstung und " atomwaffenfreie Zonen" sind erste Schritte zu einem umfassenden Frieden, sondern die Bereitschaft zum Frieden in jedem einzelnen von uns. Die überzeugende Erkenntnis der Notwendigkeit einer gemeinsamen Zukunft ist der Mutterboden, auf dem die Saat der Friedfertigkeit aufgehen kann. Wir gedenken aller die durch Krieg, Terror und Hass ihr Leben verloren haben. Ich darf mich beim Kirchenchor, Männergesangverein, Musikverein, Feuerwehr und Ihnen Herr Pastor Schwan mit den Messdienern für die Gestaltung dieser Gedenkstunde herzlich bedanken.

Josef Bach, Ortsbürgermeister

Kontext
Datum 17.11.2002
Quelle Johannes Burggraf
Vereine Freiwillige Feuerwehr Kirchenchor Männergesangverein Musikverein Birresborn 1912 e.V.
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