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Der alte Mann und die Bombe am Birresborner Bahnhof

Große Gefahr oder trügerisches Langzeitgedächtnis? Liegt im Bahnhof von Birresborn eine Weltkriegsbombe vergraben?

(Birresborn/Bitburg) Große Gefahr oder trügerisches Langzeitgedächtnis? Liegt im Bahnhof von Birresborn eine Weltkriegsbombe vergraben? Der einzige Zeuge ist 90 Jahre alt. Unser Reporter hat sich im Kylltal und in Bitburg auf Spurensuche begeben.

Schlummert im Bahnhof von Birresborn eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg unter dem Gleisbett? Der Mann, der dies behauptet, ist bald 90 Jahre alt, lebt in Bitburg und möchte nicht namentlich genannt werden. Er kann diese Behauptung auch begründen – er selbst habe den Einschlag der Bombe vor mehr als 70 Jahren mit eigenen Augen gesehen. Ab Weihnachten 1944, so erzählt er, hätten die Alliierten in der Eifel im Rahmen der deutschen Ardennenoffensive zahlreiche Luftangriffe geflogen.

Das Ziel der Angriffe in Birresborn sei die Bahnrampe gewesen. Die sei nämlich eine von wenigen gewesen, die groß genug waren, um große Maschinen zu verladen. Ein wichtiger Umschlagplatz also für die Kriegsmaschinerie der Deutschen, und ein lohnendes Ziel für Angriffe. Er sei damals ein Jugendlicher gewesen, zu Anfang des Jahres 1945, und er habe einen der Bombenangriffe hautnah miterlebt.

Im Gespräch mit dem Reporter des TV berichtet er von den tieffliegenden amerikanischen Bombern, den sogenannten „Thunderbolts“, und er berichtet von zwei Bombeneinschlägen am Birresborner Bahnhof, die er beobachtet habe. „Die Flugzeuge flogen sehr niedrig, 30 oder 40 Meter über dem Boden“, so berichtet der Mann. „Ich kann mich genau daran erinnern, und ich kann das ganz gut einschätzen, denn ich war selbst später Pilot.“ Eine Bombe, so berichtet er, sei neben dem Bahnhof in den Hang des Goldbergs eingeschlagen, eine zweite sei im Gleis im Bahnhof eingeschlagen. Beides Blindgänger, die nicht explodierten, sondern als Zeitbomben im wörtlichen Sinn im Boden steckengeblieben seien. Gleich am nächsten Tag habe er die Blindgänger bei der Bahn gemeldet, doch es sei nichts unternommen worden – weil es im Krieg wichtigeres zu tun gegeben habe, als Blindgänger zu heben.

Dann war der Krieg vorüber, das Leben begann nach und nach wieder so etwas wie einen normalen Gang zu gehen – und der Mann machte es sich zur Aufgabe, die Bomben aus dem Boden holen zu lassen. Was folgte, sei eine jahrelange Odyssee gewesen, durch diverse Ämter und Dienststellen. Über die Jahre hinweg habe es zahllose Gespräche, Telefonate und Briefwechsel gegeben, mit lokalen Politikern, verschiedenen Polizeistellen und der Deutschen Bahn, immer wieder mit der Deutschen Bahn. Immerhin die Bombe im Hang des Goldbergs, nicht weit vom dortigen Wanderweg, sei irgendwann geborgen worden. In etwa 1,20 Meter habe sie im weichen Erdboden gelegen – Aussagen und Erzählungen, die sich heute nicht bestätigen lassen. Ob und wann eine Bombe am Goldberg gehoben wurde, ist nicht zu rekonstruieren: „Leider haben wir über so weit zurückliegende Ereignisse keine Informationen mehr“, sagt Eveline Dziendziol, die Pressesprecherin der Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde in Trier, die für Bombenräumungen verantwortlich ist. Die Spurensuche geht weiter – und führt zurück nach Birresborn.

Der Birresborner Ehrenbürger Josef Bach ist eine lokale Berühmtheit im gesamten Kylltal. 27 Jahre lang war er Bürgermeister der Gemeinde, von 1982 bis 2009. Auch heute noch engagiert er sich unter anderem als Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Gerolstein in der lokalen Politik. „Vor zwei oder drei Jahren hat mir mein Bekannter von der Bombe erzählt“, berichtet er über den Zeugen. „Ich kenne die Einzelheiten nicht, ich war damals zu jung. Ich kenne nur seine Geschichte. Aber er war und ist sehr verärgert über diese Angelegenheit. Also helfe ich ihm dabei, diese Geschichte aus der Welt zu schaffen.“ Die Bombe liegt im Birresborner Bahnhof, da ist sich der Zeuge aus Bitburg sicher – „und die Deutsche Bahn ist seit Jahren informiert.“

Bei einem Treffen am Bahnhof zeigt er mit dem Finger auf das Kiesbett. „Da unten liegt sie, vielleicht einen halben Meter tief. Aber das will niemand hören. Alle ducken sich immer nur weg.“ Die Höhe, wo er die Bombe vermutet, hat er mit Farbe markiert. „Ich bin mir sicher, dass die Bombe da liegt. Warum sollte ich denn jemanden anlügen? Was hätte ich denn davon?“ Eine Presseanfrage bei der Deutschen Bahn in Frankfurt bestätigt die Bemühungen des Zeugen: Tatsächlich habe man die Bahnstrecke aufgrund der Schilderungen des Augenzeugen – und dieser Begriff steht in der Antwort der Bahn in Anführungszeichen – auf einer Strecke von 1000 Metern mit Detektoren des Kampfmittelräumdiensts abgesucht. Eine Bombe habe man dabei nicht gefunden.

„Eine erneute Suche würde aus unserer Sicht keine neuen Erkenntnisse liefern“, heißt es in der schriftlichen Antwort. Horst Lenz, Leiter des Kampfmittelräumdiensts, verweist auf die Deutsche Bahn: „Es geht hier um Gelände im Besitz der Deutschen Bahn. Da ist der Kampfmittelräumdienst erst einmal nicht zuständig.“ Gordon Schnieder, der heutige Ortsbürgermeister von Birresborn, weiß nichts von einer angeblichen Bombe im Bahnhof. „Mir ist davon nichts zu Ohren gekommen“, sagt er im Gespräch mit dem TV. „Allerdings gab es vor eineinhalb Jahren Umbaumaßnahmen im Bahnhof, da wurde auch das Gleis untersucht. Zumindest da wurde keine Bombe gefunden.“

Schnieder zeigt sich aber verständnisvoll und diplomatisch: „Wenn der Zeuge sich bei mir melden möchte, können wir uns die Sache gerne mal gemeinsam ansehen.“ Wie und ob sich die Sache nun weiterentwickelt, muss die Zukunft zeigen. Der Wunsch des alten Mannes aus Bitburg: „Ich möchte diese Sache geregelt haben, bevor ich sterbe.“

BOMBENFUNDE IN DER REGION Immer wieder werden in der Region alte Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier meldet für Rheinland-Pfalz allein im Jahr 2016 47 Bombenfunde. Unter anderem wurde in der Trierer Innenstadt ein 250-Kilo-Blindgänger bei Bauarbeiten entdeckt und entschärft. Eine ebenso schwere Bombe fand man 2012 in Bleialf. Zwei 125-Kilo-Bomben wurden in Bitburg 2014 und 2013 entdeckt.

Kontext
Datum 23.03.2017
Quelle Quelle: Trierischer Volksfreund
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