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Ende Juli schließt Foto Nieder, das letzte Bitburger Fotofachgeschäft

Bitburg Nach der Schließung der Foto-Ecke Seiwert folgt nun Ende Juli auch die Geschäftsaufgabe von Foto Nieder. Damit verschwindet in Bitburg das letzte Fotofachgeschäft von der Bildfläche.

Mit dem Einzug der digitalen Fotografie ist es verschwunden: dieses mulmige Gefühl zwischen Auslösen und Entwickeln. „Das Fotografieren ist insgesamt schon entspannter geworden“, sagt Norbert Nieder. „Früher war man als Fotograf froh, wenn der Film entwickelt war und man sicher sein konnte, dass die Bilder was geworden sind“, sagt er. Heute drückt Nieder den Auslöser, wirft danach einen Blick aufs Display seiner Kamera und erkennt sofort, ob die Aufnahme so ist, wie sie sein soll. Früher hat er mitunter den ganzen Tag im Labor gestanden. Doch diese Zeiten sind längst vorbei.

„Die Männer, die damals im Sommer kreideweiß durch die Gegend gelaufen sind, das waren alles Laboranten“, sagt Nieder lachend. Analoge Filme werden inzwischen nur noch ganz selten entwickelt. Und auch mit den digitalen Bildern ist es bald vorbei. Zumindest für Norbert Nieder. Denn am 30. Juli ist Schluss. Der Betreiber von Bitburgs letztem Fotofachgeschäft hört auf.

„Das hat nichts mit wirtschaftlichen Gründen zu tun und auch nicht mit Corona“, betont er, sondern es habe schlichtweg Alters- und Gesundheitsgründe. „Ich werde demnächst 65“, sagt der Fotograf.  Und sein Neffe Marko Nieder, mit dem er den Betrieb in der Trierer Straße vor 28 Jahren eröffnet hat, habe sich aus gesundheitlichen Gründen bereits vor einigen Jahren aus dem Geschäft weitgehend zurückziehen müssen.

Norbert Nieder hat 1971 mit seiner Ausbildung zum Fotografen angefangen. Marko Nieder, Jahrgang 1970, beendete 1995 die Meisterschule als damals jüngster Fotografenmeister Deutschlands und erlernte damit das klassische Fotografenhandwerk bereits in der dritten Generation.

„Mein Vater war Fotograf und meine beiden Brüder und meine Schwester sind es ebenfalls“, sagt Norbert Nieder. Bruder Rudolf Nieder betreibt ein Fotostudio in Gerolstein und Hans Theo Nieder ein weiteres in Daun. Den Anfang machte 1946 Vater Hans Nieder. Der in Hüttingen an der Kyll geborene Fotograf legte in Birresborn, mit der Eröffnung eines Fotoateliers den Grundstein für die Familientradition.  

Sein Vater habe bereits sehr früh ein Farblabor gehabt und sei damit zwischen Trier und Köln der einzige gewesen, sagt Norbert Nieder.  Das sei schon etwas ganz besonderes gewesen. Und dann ist da noch der eingerahmte Artikel aus einer Fachzeitschrift, der  in einem der hinteren Räume an der Wand hängt und auf den der Geschäftsführer durchaus stolz ist.

1995 wurde der erste Canon-Shop Deutschlands eröffnet. Und das „nicht etwa auf Münchens Leopoldstraße, auf Hamburgs Jungfernstieg oder der Düsseldorfer Königsallee“, wie der Autor des Artikels mit Begeisterung berichtet, sondern bei Foto Nieder in Bitburg.  Zugegeben, ein paar Beziehungen hätten dabei durchaus auch eine Rolle gespielt, räumt Nieder grinsend ein.  Und trotzdem sei das natürlich schon eine tolle Sache gewesen.

Überhaupt habe ihm das Geschäft in Bitburg immer sehr viel Spaß gemacht, sagt er. Die vielen Stammkunden, für deren Treue er und sein Neffe dankbar seien, und aus denen sich in den 28 Jahren zum Teil richtige Freundschaften entwickelt hätten. „Das alles nun aufzugeben, ist uns schon schwergefallen“, sagt der Fotograf, der den Betrieb gerne übergeben würde. Nur hat sich bislang noch kein Nachfolger gefunden. „Wir hatten ein paar Gespräche mit Interessenten und auch schon jemanden, der das Geschäft auch übernommen hätte“, erklärt Nieder, „doch dann kam Corona.“  Deswegen sei daraus leider nichts geworden.

„Vielleicht findet sich ja noch jemand“, sagt der 64-Jährige.  Er jedenfalls werde Ende Juli aufhören. Und dass er sich dafür den 30. und eben nicht der 31. Juli ausgesucht hat, dafür gibt es einen ganz einfachen Grund. Er habe am 31. Juli schon etwas vor, erklärt er.  Und ein Tag später, am 1. August, wäre er dann genau 50 Jahre im Beruf, fügt Nieder hinzu. „Da wollte ich dann doch lieber vorher aufhören.“

Kontext
Datum 19.06.2021
Quelle Quelle: Trierischer Volksfreund
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