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Birresborn

Eifelgemeinde mit Herz

Pfarrgemeinde

Einmal im Jahr ist Krachmachen offiziell erlaubt

Rund 50 lärmende Kinder sind an Karfreitag und Ostersamstag in Birresborn mit ihren Klappern unterwegs

Von unserer Mitarbeiterin GABI DEMARY BIRRESBORN.

Der Birresborner Karnevalsverein "BuBiKaBa" ruht nicht nach der "fünften" Jahreszeit. Sie betreiben im ersten Jahresviertel aktive Brauchtumspflege. Genauer: Sie lassen das "Klappern" an den Kartagen aufleben. Nach der christlichen Lehre verstummen die Kirchenglocken von Gründonnerstag bis zum Gloria in der Osternacht, aus Trauer um Jesus Tod bis zur Auferstehung. Als akustischer Ersatz und zum Aufruf an die Dorfbevölkerung gingen früher die Meßdiener mit hölzernen "Klappern" durch die Straßen. Meßdiener waren nur Jungs, also war dieser Brauch lange fest in "Männerhand". Doch das hat sich mittlerweile geändert. In Birresborn ist heute davon keine Rede mehr. Mehr als 50 Kinder machen mit und es wird nicht nach Geschlecht oder Konfession gefragt, nur aus Birresborn muß man als aktiver "Klapperer" sein.

"Ich gehe mit, weil´s Bock macht!"

Erik, 11 Jahre, ist schon ein echter Profi: "Ich gehe mit, weil´s Bock macht!" Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung. Um halb acht heißt es dann aber "Et logt Betglack" wenn die "Klapperkonner" lautstark durch die Birresborner Straßen ziehen. So lautet auch die Aufforderung zum Gebet am Abend.

Jennifer, 12 Jahre: "Auch wenn ich sehr gerne lange schlafe, bin ich pünktlich am Startpunkt!" Denn wann wird sonst schon ganz "offiziell" erlaubt, Krach machen zu dürfen? Exakt um 12 Uhr geht´s in die zweite Tagesrunde. In den Häusern erwartet man schon hungrig den Gong: "Et logt Mettech."

Diese ungewohnte Geräuschkulisse läßt jeden aufhorchen. Die Einheimischen schauen aus den Küchenfenstern und freuen sich über die Pflege des alten Brauches. Pfarrer Gerhard Schwan vermutet, daß mit dem Klappern nicht nur der Aufruf zum Gebet, sondern auch das Vertreiben von bösen Geistern und des Winters gemeint ist. In diesem großen Rahmen findet es erst zum zweiten Mal statt.

In den Vorjahren haben etwa 15 Meßdiener den Brauch aufrechterhalten. Pfarrer Schwan weiß, daß auch in den umliegenden Orten "Klapperkonner" starten. Gestartet wurde in Birresborn in diesem Jahr neu ausgerüstet mit "Klapperkonner-Mützen". Die Kappen sind der Lohn für die gelungene Aktion. Früher wurden an Karsamstag mit einem Weidekorb Eier und Osternaschwerk gesammelt. Wer einmal mitklappern war, kennt die Problematik, die bei der Verteilung entsteht. Die Ältesten vergaben die ihnen angemessenen "Portionen" an die Kleinen und den Rest verteilten sie unter sich. Manche Mutter tröstete dann zu Hause: "Irgendwann bist du auch mal bei den Großen." Und nach getanem Werk am Freitagabend sind die Kinder, die zusammengerechnet insgesamt 56 Kilometer zurücklegen, doch recht müde. Und daß, obwohl noch nicht einmal die Hälfte hinter sich haben. Denn am Samstag stehen erneut vier Runden durch den Ort bevor.

Kontext
Datum 03.04.1999
Quelle Quelle: Trierischer Volksfreund
Vereine BuBIKABa 1997 e.V. Pfarrgemeinde Birresborn
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