Hier leben ist wie Urlaub machen...
Eifelgemeinde mit Herz
Mit Helm und Lampe in den Eishöhlen von Birresborn - Paradies für Forscher
Von unserem Redakteur ANDREAS BAAR
BIRRESBORN. Verdammt dunkel ist es. Und feucht. Mühsam tasten sich schwarze Schemen durch die engen Gänge, schlüpfen keuchend unter Felsen hindurch. Ständig rutscht der Helm ins Gesicht. Nur schwach erleuchten die Taschenlampen die Umgebung, Schatten huschen an den Wänden entlang. "Stopp", sagt Michael Laumanns plötzlich. "Hier wurde ein Mühlstein herausgehauen." Deutlich sieht man die runde Form, der Gesteinsbrocken hängt zum größten Teil noch in der Wand. Die Arbeit wurde vor vielen Jahrzehnten abgebrochen. Es sind die Reste einer einstmals blühenden Industrie hier in den Eishöhlen von Birresborn. Heute locken die Stollen, die damals die Bewohner der Gegend mühsam in die Lavaschlacke auf dem Berg trieben, rund 8000 bis 10000 Touristen jährlich an, meint Lorenz Brück vom örtlichen Gewerbeverein.
Die Gruppe ist mit drei "echten" Höhlenforschern unterwegs in den dunklen Gängen hoch über dem Kylltal. Immer vorne weg: Laumanns, der eigentlich als Zöllner arbeitet, aber in jeder freien Minute seiner Höhlen-Leidenschaft nachgeht. Seit 18 Jahren ist der 39jährige schon unter Tage mit dabei. Die Begeisterung für die unterirdischen Schatzkammern kam dem Mönchengladbacher während eines Lehrgangs in Süddeutschland, ein Bekannter hatte ihn damals mit in die Dunkelheit genommen. Erst vor kurzem ist er von einer Afrika-Expedition in Mosambique zurückgekommen. Sechs Wochen war er auf dem Kontinent. "Dafür nehme ich mir Urlaub", erzählt Laumanns, auch Chef vom Verband der Deutschen Höhlen- und Karstforscher.
Das Geheimnis der Tropfsteinhöhle
Die Eifel reizt die Höhlenfans seit Jahren. Laumanns erklärt es der Gruppe: "Zwei vulkanische Streifen ziehen sich durch diese Region." Einer davon verläuft hier, südlich von Birresborn. "Aber das sind keine Lavahöhlen, sondern das ist Schlacke." Rund 1500 Objekte haben die Forscher in der Gegend bislang gefunden, die meisten davon sind von Menschenhand in das Gestein getriebene Stollen. In der Region blühte einst das Geschäft mit den Mühlsteinen aus der Eifel. Die Steine waren wegen ihrer rauhen Oberfläche vor allem bei Gerbereien begehrt. Birresborns Touristikchef Brück erzählt ein wenig über die Geschichte dieses Wirtschaftszweigs: "Die ältesten Urkunden sind aus dem 12. Jahrhundert von der Mosel." Doch so um 1850 herum war Schluß mit dem Boom - die ersten Chemikalien machten den Gerbereien Konkurrenz und die Birresborner Steine überflüssig. Noch bis 1966 hielt sich die Gerberei in Waxweiler, dann schloß auch sie ihre Tore. Die Eishöhlen wurden aber weiter von den Einheimischen genutzt. Noch um 1920 herum lagerten Metzger aus der Umgebung hier ihr Fleisch. Sie mauerten die Eingänge zu, ließen nur eine kleine Tür offen - fertig war der perfekte Kühlraum. 1944, bei den Luftangriffen auf Birresborn, fanden die Bewohner oben im Berg Schutz vor den Bomben. Die Eifel ist eine wahre Fundgrube für die Höhlenforscher. Thomas Schwarz aus Bonn hat jetzt noch leuchtende Augen, als er von der letzten Entdeckung schwärmt. "Pfingsten haben wir hier in der Gegend eine Tropfsteinhöhle entdeckt", erzählt der 36jährige Elektroniker und Hobby-Forscher, während er es sich auf einem Felsbrocken gemütlich macht. Die Helmlampe beleuchtet sein Gesicht. Wo die Höhle ist? Das will er nicht verraten. "Sonst kommen gleich die Mineraliensammler." Die Höhlen-Experten aus Nordrhein-Westfalen sind so oft es geht in der Eifel. Fast jedes Wochenende führen sie eine Gruppe zu den unterirdischen Schätzen. Mittlerweile geht es wieder Richtung Ausgang. Noch ein paar Meter, keuchend unter einem Felsen hindurch geschlüpft. Der letzte Anstieg auf dem feuchten, glitschigen Boden. Aufpassen, daß man nicht den Halt verliert. Und dann taucht auch schon das Tageslicht wieder auf - irgendwie ist man froh, wieder draußen zu sein.
| Datum | 12.10.1998 |
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| Quelle | Quelle: Trierischer Volksfreund |
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