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Birresborn

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Intensives Erlebnis an den Eishöhlen

30 Gäste bekamen es in Birresborn so richtig zu spüren

Wie gesagt: Beim TV -Sommertreff kann man 'was erleben. Ein besonders intensives Erlebnis hatten die gut 30 Gäste, die an der Wanderung zu den Birresborner "Eishöhlen" teilnahmen.

Zwar wurden die Kurzurlauber bei ihrer Tour in der Vulkaneifel nicht, wie bei anderen Exkursionen, mit exquisiten Gaumenfreuden verwöhnt, betörten keine besonders lieblichen Düfte ihre Nasen, und boten sich ihnen auch nicht die atemberaubenden Anblicke schlechthin. Aber dafür bekamen sie es so richtig zu spüren, Natur pur: Pünktlich zum Abmarsch riss der Himmel auf, und die in warme und wetterfeste Kleidung Gehüllten kamen auf der zwar kurzen, aber permanent ansteigenden Wanderung zu den "Eishöhlen" mächtig ins Schwitzen. Allenfalls der Weg durch den schattigen Wald bot gewisse Erfrischung. Oder Papi trug einen, doch dieses Glück hatte nur der dreieinhalbjährige Julius Milde aus Trier, der jüngste Teilnehmer.

Wenn auch keine Erfrischung, so doch Abwechslung brachten die Ausführungen des fachkundigen Tour-Begleiters Lorenz Brück vom Verkehrs- und Gewerbeverein Birresborn. Der 64-Jährige erzählte von vulkanischen Besonderheiten in der näheren Umgebung. So zeigte er mal eben auf einen unscheinbaren, von Wald bedeckten Hügel gegenüber: "Das ist der Vulkan Kalem, der bei einem Ausbruch viereinhalb Millionen Kubikmeter Magma und Schlacke ausgeworfen und damit Hundsbach- und Kylltal verstopft hat." Schwitzen und Staunen ringsum.

Und Brück wusste auch über Tiere, Pflanzen und Probleme im Forst viel zu berichten, doch mehr interessierte vor allem die jungen Wanderer, was es denn mit den "Eishöhlen" nun genau auf sich hat, und weshalb es so etwas in der Eifel gibt. Denn, dass es hier recht kalt werden kann, ist zwar bekannt, aber Eishöhlen? Uns was findet man da überhaupt im Sommer?

Die Antwort erahnten die Neugierigen mit jedem Schritt, den sie näher an einen der fünf Eingänge taten: Abkühlung. Wärmte eben noch die durch die Blätter blinzelnde Sonne, so umschloss die aus den dunklen Löchern wabernde Kälte rasch die Besucher. Doch die waren für den Gang in die Tiefe gut gerüstet: lange Jacke und Hose, Taschenlampe in der Hand und von ein Helm auf dem Kopf. Den hatte Lorenz Brück zuvor an jeden verteilt. Denn die unterirdischen Gänge sind teilweise nur 1,50 Meter hoch, und eine Beule als Erinnerung muss ja nicht sein.

Endlich erzählte der Wanderführer, was es mit den Höhlen auf sich hat. Mit der Lampe leuchtete er die Umrisse einer rund gehauenen Steins, eines Mühlsteins, in der Höhlenwand an. "Die Eishöhlen sind unterirdische Steinbrüche, in denen bis Mitte des 19. Jahrhunderts Mühlsteine geschlagen wurden." Und er berichtete von den unterschiedlichen Namen der unterschiedlich schweren und großen Steine, von deren Verwendung und dass beispielsweise zwei Arbeiter zwölf Tage benötigten, um einen Stein zu hauen.

Einem leichten Schlag, der sich nach einigen Sekunden in Wohlbehagen wandelte, kam auch der plötzliche Temperaturanstieg beim Aussteig aus der Höhle gleich. "Puh, wie warm", stöhnte Marielis Schmitz aus Bleialf, die im Vorfeld viel telefoniert hatte, um doch noch an der bereits ausgebuchten Tour des Trierischen Volksfreunds teilnehmen zu können, weil sie mit ihren Enkeln "'was Schönes unternehmen wollte". Und trotz Strapazen: Bereut hat sie es nach eigenem Bekunden nicht. Quasi als Belohnung für die Teilnehmer löste Brück dann das frostige Rätsel von den Höhlen, die früher auch als Lager für Bier und Fleisch dienten und in denen Birresborner während des Zweiten Weltkriegs Schutz suchten. Brück: "Wenn von außen kalte Luft in die Höhlen zieht, bilden sich durch das Niederschlagswasser Tropfsteine." Und zur Abrundung des intensiven Natur-Erlebnisses kamen die Wanderer auf dem rund drei Kilometer langen Rückweg in ein sattes Gewitter.

Kontext
Datum 26.07.2000
Quelle Quelle: Trierischer Volksfreund
Vereine Verkehrsverein e.V.
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