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Birresborn

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"Die Gedächtnislücke" vor ausverkauften Sälen

Send in the clowns - Theatergruppe Birresborn spielt mit "Die Gedächtnislücke" vor ausverkauften Sälen.


Was macht eigentlich ein Karnevalsverein, der durch die übliche Sessionsarbeit noch nicht ausgelastet ist? Vielleicht ein jährliches Seifenkistenrennen ausrichten? Und wenn das immer noch nicht reicht?

Der scheinbar unendlich engagierte BuBiKaBa e.V. brauchte offenbar noch mehr Beschäftigung... und rief eine Laientheatergruppe ins Leben. Nach der gefeierten Premiere im vergangenen Jahr steht das Birresborner All-Stars-Ensemble um Regisseurin Marianne Simon derzeit wieder auf den viel zitierten Brettern, die die Welt - wenn schon nicht bedeuten, so doch zumindest zu unterhalten wissen können. Im Falle der "Gedächtnislücke", dem zweiten abendfüllenden Programm der emsigen Truppe, trifft diese Annahme voll und ganz zu.

Franz Kübele (Uli Schun) hat ein ziemliches Problem. Der Birresborner Bürgermeister ist seit fünf Jahren im Amt und auch eigentlich ein beliebter und respektierter Mann, wären da nicht diese "Stadtfregatten", ein Schicki-Micki-Pärchen, das sich vor kurzer Zeit in dem kleinen Eifeldorf niedergelassen hat und nun gegen alles und jeden stänkert. Der preisgekrörnte Gockel Max kräht Ihnen zu laut, der beliebte Musikverein erscheint ihnen mit seinen ständigen Proben als Provokation und die Kirchenglocken läuten ja wohl auch absichtlich entschieden zu oft. Und wer soll sich darum kümmern? Natürlich der Bürgermeister.

Anstatt mal kräftig auf den Tisch zu hauen, versucht der gutmütige Kübele erst einmal, es allen recht zu machen und den Wünschen des sichtlich absurd handelnden Ehepaares zu entsprechen. Sehr zum Missfallen seines alten Skatkumpels und Amtsdieners Sepp (Heinz Overfeld gnadenlos gut in einer dankbaren Rolle). Als ein Unfall bei Kübele zu einem zeitweiligen Gedächtnisverlust führt, sieht Sepp seine Chance gekommen, den fehlgeleiteten Freund und Arbeitgeber mit ein paar gezielten Falschinformationen wieder auf den Pfad der Tugend zu bringen. Doch schafft es der treue Sepp, den Dorffrieden wieder herzustellen, wenn verwirrte Professoren, heiratswillige Powerfrauen, Franzens Gattin, Tante Emma vom Laden gegenüber und seine Kollegin Hannelore ihm immer wieder Steine in den Weg legen? Das Birresborner Rathaus hat wohl noch keinen Tag gesehen, an dem dort so viel gearbeitet wurde...

Das Stück in drei Akten selbst ist alles, was Laientheater haben sollte: Der Humorfaktor ist riesig, nicht wenige Pointen von den Machern direkt aufs wikliche Dorfgeschehen zugeschnitten, und die Leistung des Ensembles durch die Bank grandios. Ohne anbiedernd klingen zu wollen, muss der Verfasser zugeben, dass allen zehn Darstellern die Lust am Spiel anzusehen war - und zwar das ganze, immerhin knapp dreistündige Stück hindurch.
Langweile konnte im mehr als ausverkauften Gemeindehaus also gar nicht aufkommen. Stattdessen hielt sich der Lachpegel auf konstant hohem Niveau, was bei einer Veranstaltung dieser Länge als ein deutliches Kompliment an die Aktiven gelten sollte.

Wie der Verfasser nach der Vorstellung von der Truppe erfuhr, ist ein drittes Stück schon anvisiert. Birresborn kann sich also schon darauf freuen und glücklich schätzen, eine so engagierte Mannschaft sein eigen zu nennen.

Kontext
Datum 06.04.2003
Quelle Christian Humberg
Vereine BuBIKABa 1997 e.V.
Fotoalben Theater 2003 "Die Gedächtnislücke"
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