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Rechtschreibreform geht in nächste Phase

Eifeldorf Mürlenbach als Pilotprojekt ausgewählt

"Wir haben seit Jahren auf diesen Tag hingearbeitet und sind jetzt sehr stolz, das Programm gestartet zu haben", so antwortete Prof. Dr. Gero L. Steiner auf die telefonische Anfrage von Birresborn Online. Der 56-Jährige gehört zum harten Kern der Personen, die für die vor einigen Jahren eingeführte Reform der deutschen Rechtschreibung verantwortlich zeichnen. Noch heute überwacht der Duden-Redakteur die einzelnen Entwicklungsstufen der Reform, die 2005 komplett vollzogen sein soll.

Einen weiteren Schritt in Richtung Vollendung glauben Steiner und seine Kollegen nun vorgenommen zu haben. Denn, was die wenigsten Bürger wissen dürften, die Reform sieht auch die Umbenennung von Ortschaften vor, sofern deren Schreibung deutlich von der Aussprache der Namen abweiche. "Unser oberstes Ziel war und ist es, die deutsche Sprache zugänglicher zu machen, sie also zu vereinfachen", erklärt Steiner diesen von vielen Fachleuten stark kritisierten Teil der Planung. "Dazu gehört eben auch die Änderung von Gemeindenamen." Dennoch zeigen sich viele Städte und Dörfer durch die nur scheinbar überraschende Aktion verärgert. Die sächsische Metropole Drähsdn hat sogar bereits Klage beim Obersten Gerichtshof in Karlsruhe angemeldet.

Dieser könnte sich auch bald Birresborn anschließen. Die traditionsbewusste 1400-Seelen-Siedlung im Herzen der Vulkaneifel gehört nämlich ebenfalls zur Riege derer, die mit einem neuen Namen rechnen müssen. Im Nachbardorf Mürlenbach wurde vor wenigen Tagen mit der Angleichung der Verkehrsschilder begonnen – und sofort reagierten Birres... oder besser "Bürresborner" Bürger entrüstet, erste Unterschriftenaktionen und Mahnwachen wurden bereits gestartet. Für den morgigen Samstag um 22 Uhr hat man eine Lichterprozession durch den Ortskern angesetzt. Ortsbürgermeister Bach stand für einen Kommentar bisher nicht zur Verfügung.

Doch bei aller berechtigten oder unberechtigten Entrüstung sollten die Bürresborner nicht vergessen, dass es auch viel schlimmer hätte kommen können: Die etwa vier Kilometer entfernte Ortschaft Kopp erwartet in der kommenden Woche ebenfalls einen Satz neuer Ortsschilder – und zwar dreisprachige! Da selbst in den engsten Nachbargemeinden kein gemeinsamer Nenner für die Aussprache des Dorfnamens gefunden wurde, muss dieses von Nun an gleich drei führen: "Kopp-Koop-Kaap". Man kann’s auch übertreiben...

Dem Gesuch eines anonymen Bürresborners, die Siedlung Mürlenbach als eine Art Retourkutsche in "Arsch der Welt" umzutaufen, schenkte die Duden-Redaktion übrigens keine weitere Beachtung. Da müssen wohl Mürlenbacher arbeiten.


Fotos: Sven Nieder, www.buen-camino.de

Kontext
Datum 22.08.2003
Quelle Christian Humberg
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