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Dickes Lob für Betriebsrat

Aufatmen trotz misslicher Lage: Betriebsrat und Geschäftsführung des Birresborner Phönix Sprudels haben sich auf einen Sozialplan geeinigt. Der sieht überdurchschnittlich hohe Abfindungen sowie

Der Durchbruch kam nach vier Verhandlungstagen. Das Ergebnis kann sich laut Betriebsratsvorsitzendem Gerfrid Neumann "sehen lassen". Er berichtet: "Zwar hat es keine Jubelschreie gegeben, doch der ein oder andere Kollege kam zu uns und hat gesagt ,Das habt ihr gut gemacht′. Das war bei dem Druck ein gutes Gefühl."
Neumann gibt das Lob weiter: "Ohne die Unterstützung durch die Gewerkschaftsvertreter und einen spitzen Rechtsanwalt wäre das Ergebnis bei weitem nicht so gut ausgefallen." Laut Neumann liegen die Abfindungszahlungen zwischen 12 000 und 50 000 Euro (siehe Hintergrund) . Hingegen bezeichnet er das erste Angebot von Arbeitgeberseite als "zum Weinen". Neumann: "Da hätten wir gerade einmal die Hälfte des jetzt Erreichten bekommen, und keinen Bonus." Es habe sich herausgestellt, dass "die Insolvenz, die Geschäftsführer Machtan angedroht hat, nie ein Thema war". Neumann: "Die Finanzausstattung des Betriebs ist gut. Und das seit Jahren." Als Erfolg wertet der Betriebsrat auch die Bemühungen, die Mitarbeiter wieder in Lohn und Brot zu bekommen.

Überzeugt, dass alle bald wieder einen Job haben

Über die "Betriebsrats-Schiene" zu anderen Firmen in der Region seien viele Gespräche geführt worden. Und es gibt laut Neumann bereits Ergebnisse: "Zwei Leute haben einen Vertrag unterschrieben, weitere Angebote liegen vor. Ich gehe davon aus, dass bis Ende Februar alle 25 Mitarbeiter wieder einen Job haben."

Jetzt haben sie aber erst einmal ihre Kündigungen erhalten. Und darüber sind die meisten - angesichts der Lage - froh. "Jetzt kann man bei Bewerbungsgesprächen wenigstens sagen, wann man anfangen kann", sagt beisspielsweise Heribert Thewes aus Birresborn. Der 37-Jährige, der seit 14 Jahren im Betrieb ist, bewertet den Abschluss als positiv: "Damit kann man schon leben, ich bin zufrieden."

Blauäugig ist der verheiratete Vater zweier Kinder, der vor kurzem gebaut hat, aber nicht: "Ich bin gelernter Heizungsbauer, habe aber seit Jahren nicht mehr in dem Job gearbeitet. Jetzt gehts wieder von vorne los." Auch ein zweites Auto könnte für einen neuen Job nötig werden.

In die gleiche Kerbe schlägt Ralf Weber (36) aus Mürlenbach. Der verheiratete, zweifache Vater, der als LKW-Fahrer beschäftigt war, sagt: "Man darf nicht vergessen. Wir fangen jetzt alle wieder bei Null an." Dennoch habe der Betriebsrat gute Arbeit geleistet. Weber: "Zum einen haben die Jungs ziemlich viel rausgeholt, zum anderen haben sie sich sehr um neue Stellen bemüht. Wenn jetzt alle wieder einen neuen Job bekommen, ist die Abfindung sogar so etwas wie ein schönes Weihnachtsgeschenk." Er selbst hat Glück: "Ich habe zum 1. Januar bereits eine verbindliche Zusage." Nicht so Georg Becker aus Mürlenbach (der TV berichtete mehrmals). Dennoch ist auch er nach eigenem Bekunden "mit dem Ergebnis super zufrieden." Sekretärin Brigitte Hoffmann (58) sagt ebenfalls erleichtert: "Das ist ein gutes Ergebnis. Ich habe nicht damit gerechnet."

Unzufriedener ist Rainer Hotz (41) aus Birresborn, der seit 1983 im Betrieb arbeitete - zuletzt als Füllmeister. "Ich wäre nicht abgeneigt gewesen, mich in der Auffanggesellschaft weiterzubilden. Das hätte zwei Jahre Sicherheit bedeutet." Noch immer frustriert ihn, "dass eine Firma zumacht, die jedes Jahr gut Geld gemacht hat." Aber da hat Gerfried Neumann so seine Hoffnungen: "Vielleicht kauft einer ja den Schuppen für ein paar Euro und setzt ihn wieder in Gang. Für Tafelwasser und Süßgetränke reicht es ja. Man muss nur den Hahn aufdrehen und es kann wieder losgehen."

(MARIO HÜBNER)

Kontext
Datum 16.12.2003
Quelle Quelle: Trierischer Volksfreund
Unternehmen Birresborner Phoenix Sprudel GmbH
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