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Birresborn

Eifelgemeinde mit Herz

Gewerbe

Sprudel-Aus beflügelt Räte und Planer

Flucht nach vorn: Nach der Schließung des Phönix Sprudels versucht die Ortsgemeinde, neue Arbeitsplätze im Ort zu schaffen. Gelingen soll dies durch Umwandlung eines seit Jahren brach liegenden Gewerbeareals in ein kleinteiliges Gewerbegebiet für mittelst

Zehn Grundstücke für Handwerksbetriebe sollen nach Umstrukturierung des bereits bestehenden Gewerbegebiets "Auf dem Boden" in Birresborn zur Verfügung stehen.

Den Schlussstrich unter die Planungen, den Phönix Sprudel an den Ortsrand in Richtung Gerolstein umzusiedeln, musste der Ortsgemeinderat nach Schließung des Werks vor zwei Monaten ziehen. Denn zu diesem Zweck ist laut Ortsbürgermeister Josef Bach (CDU) das Gewerbegebiet "Auf dem Boden" ausgewiesen worden. Bach: "Das Gebiet wurde ausschließlich für den Phönix Sprudel konzipiert." Doch schon vor "zwei bis drei Jahren" sei klar geworden, dass aus der Umsiedlung nichts wird. "Damals hat uns der Gerolsteiner Brunnen auf Nachfrage mitgeteilt, dass die Umsätze nicht hoch genug seien, um einen Umzug und den Bau einer neuen Produktionsstätte zu rechtfertigen", erinnert sich Bach.

Dass die Umstrukturierung des 3,5 Hektar (35 000 Quadratmeter) großen Gebiets nicht schon damals in Angriff genommen wurde, hat laut Bach daran gelegen, dass die Gemeinde anderen Großprojekte Priorität beigemessen habe: der Saalbachbrücke, dem neuen Rathaus, der Flurbereinigung.

Nun aber steht das Vorhaben im Mittelpunkt. "Wir sind zur Überzeugung gelangt, das Gebiet für kleine Handwerksbetriebe vorzubereiten", sagte Bach mit Verweis auf einen einstimmigen Beschluss des Rats. Der stimmte mit dem Vorschlag von Planerin Rosemarie Bitzigeio überein, das Gebiet "baureif" zu machen; also so herzurichten, dass künftige Interessenten nicht noch umfangreiche Erdbewegungen zu leisten hätten.

Planerin sieht drei Probleme

Dieses Vorgehen würde laut Bitzigeio auch helfen, eines von "drei Problemen" zu beseitigen: die Hanglage. Die Planerin sagte: "So könnten die Erdmassen, die oben abgetragen werden müssen, in einem Zug unten wieder aufgefüllt werden." Ziel sei es, auf keinem der geplanten zehn Einzelgrundstücke (sechs zwischen 2000 und 3000, drei zwischen 3000 und 5000 und eines mehr als 5000 Quadratmeter groß), letztlich mehr als zwei Prozent Gefälle zu haben.

Das zweite Problem sei die Hochspannungsleitung, die über das Gebiet führt. Eine Verlegung in die Erde kommt nach Ansicht der Architektin aus Kostengründen nicht in Frage. Vielmehr plädiert sie dafür, die Gebäudehöhe auf maximal neun Meter zu begrenzen. Bitzigeio: "Ich sehe darin kein Problem, wenn unter der Leitung Lagerhallen stehen." Dritte Schwierigkeit ist die Verkehrsanbindung: Denn von der Verkehrsbehörde wird eine Linksabbiegespur auf der L 26 gefordert. Dennoch sah die Planerin keine allzu großen Schwierigkeiten bei der Realisierung des Vorhabens. Doch während Ortsbürgermeister Bach optimistisch von einer Fertigstellung noch in diesem Jahr sprach, bremste Bitzigeio die Euphorie: "Im Durchschnitt dauert es zehn bis zwölf Jahre, bis alle Grundstücke verkauft sind."

Das neue Gewerbegebiet als Ausgleich für den Phönix Sprudel? "Ja und nein", sagt Ortsbürgermeister Josef Bach. "Wenn es um die Arbeitsplätze geht, ja. Bei der Gewerbesteuer nein. Vom Sprudel kam da nie viel", sagt Bach. Als Ursache vermutet er langjährige Abschreibungen nach dem Kauf durch den Gerolsteiner Brunnen 1991. Und wahrhaftig: Von den rund 150 000 Euro Gewerbesteuer, die die Gemeinde in den vergangenen Jahren im Durchschnitt eingenommen hat, kam stets nur ein kleiner Bruchteil vom Mineralwasser-Hersteller. Das belegt allein der Vergleich des Gesamt-Gewerbesteueraufkommens der Gemeinde von 2003 (135 000 Euro) zu 2004 (143 000 Euro). Hätte der Phönix Sprudel eine tragende Rolle gespielt, hätten die Gewerbesteuereinnahmen einbrechen müssen. So aber wird gar mit einem leichten Anstieg gerechnet - trotz der Werksschließung.

Überhaupt: Als sprudelnde Geldquelle wird das geplante Gewerbegebiet nicht gesehen: zum einen wegen der hohen - aber noch nicht bezifferten - Erschließungskosten. Zum anderen ist man sich in Birresborn bewusst, dass Firmen nach Gründung oder Neuansiedlung erst einmal Kosten haben, daher keine schwarzen Zahlen schreiben und so in den ersten Jahren auch keine Gewerbesteuer abführen.

(MARIO HÜBNER)

Kontext
Datum 23.01.2004
Quelle Quelle: Trierischer Volksfreund
Unternehmen Birresborner Phoenix Sprudel GmbH
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