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Birresborn

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Gewerbe

Mit Tatkraft durchs Leben

Ein wenig müde wirkt Julia Fischer heute. Das passiert, wird erzählt, wenn sie tags zuvor besonders aktiv war. Aber nach 100 und einem Jahr auf diesem Planeten hat Julia Fischer natürlich ein Recht auf Ruhe.

HÜRTH/BIRRESBORN. Mindestens 94 Jahre gönnte sich das echte Brühler Mädchen nur wenige Pausen. Bis ins hohe Alter versorgte sie sich in ihrer eigenen Wohnung selbst.
Heute, vor genau 101 Jahren, wurde sie als Tochter der Brühler Unternehmerfamilie Oebel mitten in Brühl an der Uhlstraße geboren. Dort waren Wohnung und Firmensitz. Das Städtchen am Rande Kölns war vor dem ersten Weltkrieg noch sehr beschaulich.

Zweimal gab es allerdings Aufregung, erzählte Julia Fischer. Das war, als Kaiser Wilhelm II. die Rheinprovinz und damit Schloss Augustusburg in Brühl besuchte. „Dann mussten auch wir Schülerinnen vom Ursulinen-Lyzeum Spalier stehen.“ Nach Abschluss der Schule, dem heutigen St. Ursula-Gymnasium, trat Julia Oebel in die väterliche Firma für Baustoffe und Getreide ein, sorgte sich bei „Oebel & Söhne“, um Buchhaltung und Verkauf.

Die junge Julia Oebel lernte, wie man eine Firma führt, verhandelte mit Kunden und Geschäftspartnern. Letzteres stellte schließlich für Julia Oebel die Weichen für ihr späteres Leben. Bei einem der vielen Verkaufsgespräche lernte sie Peter Ludwig Maria Hubert Heinrich Fischer kennen, den jungen Kundenbetreuer und Sohn aus dem Familienbetrieb Fischer Söhne aus der Kölner Domstraße. Fischer handelte mit Getreide und Mineralwasser.

Offenbar hatte „Heinz“ Fischer, wie er sich nannte, bei den Verhandlungen zwischen der Firma Oebel und der Firma Fischer eine besonders gute Figur gemacht. Die beiden Firmensprösslinge jedenfalls verliebten sich ineinander. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, betont Julia Fischer noch heute. Im Jahr 1929 wurde geheiratet. Julia zog nach Köln und kümmerte sich zunächst um die Kinder Heinz-Karl „Heika“, Hans-Josef „Hanjo“ und Maria-Luise, kurz Marlu.

Nach dem Krieg stand schließlich viel Arbeit an. Beide Firmensitze in Köln und Birresborn waren zerstört. Heinz Fischer wurde erst 1950 aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen. All die Jahre hatte sich Julia Fischer um die Firma kümmern müssen. Vor allem musste sie dafür sorgen, dass der Birresborner Sprudel wieder sprudelte.

Zwar übernahmen die Söhne Heika und Hanjo in den 60er Jahren die Firmenleitung, aber Mutter Julia wachte, wie Sohn Hanjo bestätigt, bis 1992 über das Wohl des Unternehmens. Dann wurde es verkauft. Der Kölner Firmensitz wurde an Rewe, Birresborner Sprudel an die Bitburger Brauerei verkauft.

Seit 1997 wohnt Julia Fischer im Anna-Haus in Hürth. Dort wird heute auch mit den drei Enkeln und fünf Urenkeln auf diesen denkwürdigen Geburtstag angestoßen.

Kontext
Datum 27.01.2004
Quelle Kölnische Rundschau
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