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Birresborn

Eifelgemeinde mit Herz

Jugend

Lob und Tadel

Birresborn aus Sicht der Jugendlichen

BIRRESBORN. In der Kyllgemeinde wird viel für die 311 Kinder und Jugendlichen getan: Es gibt fünf Jugendgruppen, einen Jugendpark am Ortsrand, ein Jugendheim in der Ortsmitte, Jugendabteilungen in allen Vereinen. Trotzdem sehen viele Jugendliche ihre Zukunft nicht im Heimatdorf. Grund: fehlende berufliche Perspektiven.

(GABI VOGELSBERG, TV)

Der umgestaltete Eisenbahnwaggon ist der Treffpunkt vieler Birresborner Jugendlicher in der Ortsmitte. Foto: Gabi Vogelsberg
"Als Kind ist es klasse in Birresborn, aber als Erwachsener nicht. Hier hat man beruflich ja keine guten Aussichten", sagt die zwölfjährige Kristina. Die Mädchen der Jugendgruppe "Young Bunnys" schließen sich an. Mandy (12) sagt: "Es ist schlecht, dass der Sprudel zugemacht hat. Es gibt immer weniger Arbeitsstellen." Ella (13) sagt: "Das Dorf finde ich zwar schön, aber ich will nicht immer hier leben. Ich will auch mal die Stadt erleben." Der gleichaltrige Christopher nickt zustimmend. Er ist drei bis vier Mal in der Woche im Jugendpark am Ortsrand. Lena (12) findet dort den Bolzplatz super. Annalena (14) wünscht sich als Ergänzung noch "ein Riesentrampolin mit Seilen".

Der umgestaltete Eisenbahnwaggon ist der Treffpunkt in der Ortsmitte. Insgesamt fünf Jugendgruppen gibt es im Dorf. Von den 1413 Einwohnern sind 22 Prozent jünger als 19 Jahre: Es gibt 145 Kinder und 166 Jugendliche. Lena (14) resümiert: "In Birresborn ist das Angebot für Jugendliche viel besser als in den Nachbardörfern."

Kathrin (13) bringt die Vereine ins Spiel: "Die Hälfte der Jugendgruppe spielt auch noch im Verein Tischtennis." Christopher ist im Sportverein. Andere Jugendliche sind im Musikverein, in der Feuerwehr oder bei den Rettungsgruppen der Malteser oder des Deutschen Roten Kreuzes. "In allen Vereinen gibt es starke Jugendabteilungen. Da wird sehr viel getan. Ebenso wie in den Jugendgruppen", sagt Ortsbürgermeister Josef Bach. Er lobt vor allem das ehrenamtliche Engagement der Betreuer: "Sie leisten wertvolle Arbeit und haben das volle Vertrauen des Rates." Wer als Jugendlicher in Birresborn vernünftige Freizeitbeschäftigung wolle, finde sie auch.

Birresborn als Standort für Kindergarten und Grundschule spielt in den Erwägungen der Jugendlichen keine Rolle. Auch nicht, dass sie dadurch erst als Zehnjährige auf Bus- oder Zugtransfer zur Schule angewiesen waren. Für Sebastian (17) und Daniel (19) zählen ganz andere Werte. "Hier ist der Gemeinschaftssinn ganz gut. Außerdem kennt man fast alle", sagt Sebastian. Der 17-Jährige beginnt eine Ausbildung als Maurer. Anders als die Mädchen der Gruppe "Young Bunnys" kann er sich sehr wohl seine Zukunft in Birresborn vorstellen. "Wenn es mit dem Job klappt, will ich hier bleiben."

Flexibel dank der Bahn

Sein Kumpel Daniel absolviert derzeit eine Ausbildung in der Metallverarbeitung in Bielefeld. Jedoch versichert der 19-Jährige: "Nach der Lehre komme ich wieder zurück. Hier habe ich meine Freunde, und irgendwie wird es auch mit der Arbeit klappen." Allerdings kritisiert der junge Mann das Festprogramm im Kylltal: "Es ist zu wenig für uns angesagt." Mandy (12) vermisst einen Dönerladen im Dorf. Die Jugendlichen erklären: "Die Bäckereien und der Drogeriemarkt sind quasi unser Kiosk."

Einig sind sich die Jugendlichen über den Vorteil der Bahnanbindung. "Jede Stunde fährt ein Zug. So sind wir sehr flexibel", sagt Sebastian. Lena ergänzt: "Jetzt im Sommer haben wir eine gute Verbindung zum Schwimmbad nach Gerolstein." Ins Kino kommen die Jugendlichen auf diesem Weg jedoch nicht. Jedenfalls nicht in jene der näheren Umgebung in Hillesheim oder Prüm. Bis nach Trier gilt das Schülerticket aber nicht.

Kontext
Datum 30.07.2005
Quelle Quelle: Trierischer Volksfreund
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