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Ein anrüchiger Job

BIRRESBORN. Außergewöhnlicher Arbeitseinsatz in der Birresborner Kläranlage: Ein Spezialtaucher aus Koblenz hat gestern Vormittag nach einem technischen Defekt im Nachklärbecken gesucht und ihn gefunden.

Von GABI VOGELSBERG, Trierischer Volksfreund

Durch den Einsatz des Spezialisten konnten Kosten von über 11 000 Euro eingespart werden.

(Zum Foto: Außergewöhnlicher Arbeitseinsatz in der Birresborner Kläranlage: Guido Hirt, Spezialtaucher aus Koblenz, suchte im Nachklärbecken nach einem Schaden.)

Kleine Sache, große Wirkung: Nach nur sieben Minuten tauchte Guido Hirt aus der trüben Brühe des Klärbeckens wieder auf. Eine 30 Zentimeter mal 30 Zentimeter große Gummimatte hatte sich gelöst und den Schlammabzug in der 4,50 Meter tiefen Beckensohle verstopft.

In dem rund 1000 Kubikmeter fassenden Nachklärbecken werden die Schlammanteile vom Abwasser getrennt. Sie lagern sich am Boden ab und werden mit einem Schieber durch den Abzug abtransportiert. Der technische Werkleiter Wolfgang Bohr erklärt: "In letzter Zeit traten da immer häufiger Verstopfungen auf, die nur durch zeitaufwändiges Spülen zu beheben waren. Das konnte nicht zur Dauerlösung werden." Der Einsatz des Spezialtauchers war die Lösung.

Der Techniker und Berufstaucher Guido Hirt aus Koblenz hat sich auf derartige Einsätze spezialisiert. Etwa 90 Prozent seiner rund 300 Taucheinsätze im Jahr absolviert er in Kläranlagen. Seine langjährige Erfahrung wurde gestern auch in Birresborn deutlich. Er wusste genau, wo und wie er bei geringer Sicht vorgehen musste.

Wären Schweißarbeiten nötig geworden, hätte er auch die in der Kloake ausführen können. Die Werkleitung jedenfalls nutzte die Gelegenheit und beauftragte Hirt, der beschwert mit 20 Kilogramm Blei um die Hüfte in die trübe Tiefe gezogen wurde, mit einem Check sämtlicher Verschleißteile im Becken. Nach der Kontrolle bescheinigte Hirt der vier Jahre alten Anlage einen "ausgezeichneten Zustand".

Kleine Reparaturrechnung, große Einsparung: "Der Taucheinsatz hat sich in vielerlei Sicht gelohnt, weil die Abwasserreinigung nicht unterbrochen werden musste und so viel Geld gespart werden konnte", erklärt Werkleiter Bohr. Bei einer herkömmlichen Reparatur hätten die 1000 Kubikmeter Abwasser in die Kläranlage Gerolstein-Lissingen transportiert und dort gereinigt werden müssen. Kosten von rund 12 000 Euro wären dafür nach seiner Rechnung entstanden. Denen stehen etwa 650 Euro Kosten für den Taucheinsatz gegenüber. Außerdem hätte die Leerung des Nachklärbeckens zur Folge gehabt, dass die biologische Reinigungsstufe für mindestens eine Woche außer Betrieb gewesen wäre. Das Abwasser hätte dann nur teilweise gereinigt in die Kyll geleitet werden können. Aber das auch nur dann, wenn es von der Aufsichtsbehörde eine teure wasserrechtliche Ausnahmegenehmigung gegeben hätte. Bohr: "Bezüglich der Wassergüte der Kyll wäre das unter Umweltgesichtspunkten als problematisch zu betrachten gewesen."

In der Kläranlage in Birresborn werden die Abwässer von 5300 Haushalten aus den Orten entlang der "Kyllschiene" innerhalb der Verbandsgemeinde Gerolstein sowie Büscheich und Michelbach gereinigt.

Demnächst wird es übrigens ein Wiedersehen mit Profitaucher Guido Hirt geben. Im 13 Meter hohen Schlammfaulturm der Lissinger Kläranlage soll unter Vollverfüllung mit 35 Grad warmem Schlamm der Behälter von innen auf mögliche Schäden sowie auf unerwünschte Sandablagerungen überprüft werden.

Kontext
Datum 04.02.2007
Quelle Quelle: Trierischer Volksfreund
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