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Energie-Tanken am Jonas-Wochenende

Gordon Schnieder will Landrat des Kreises Vulkaneifel werden. Der Verwaltungsbeamte wird von der CDU ins Rennen geschickt. Der 31-Jährige steht zu seinen ehrgeizigen Zielen und lässt beim TV-Gespräch ganz persönliche Einblicke zu.

BIRRESBORN. Hemdsärmlig und grinsend öffnet der Landratskandidat die Haustür. Er lebt in der Souterrain-Wohnung seines Elternhauses. Bunt zusammengewürfelte Teppiche auf den Fliesenböden, wenige Bilder an den Wänden und fehlende kuschelige Sofakissen machen rasch deutlich, dass es sich um einen "Männer-Haushalt" handelt. Lachend quittiert der 31-Jährige die Blicke und sagt: "Wenn ich erneut Familienglück finde, wird sich das wieder ändern. Ich will ja nicht bis an mein Lebensende alleine bleiben."

Die Fotos im Vitrinentisch, die Autos im Regal und die Schaukel auf der Terrasse geben Blicke frei auf den "zweiten Mann" im Haushalt: den fünfjährigen Sohn Jonas. Schnieders Ehe wurde im November 2006 geschieden. Bereits seit März 2004 lebt Jonas mit seiner Mutter in Bonn. Schnieder: "Jonas hat einen festen Platz in meinem Leben. Wir telefonieren täglich und sehen uns jedes zweite Wochenende."

Das Scheitern seiner Ehe bezeichnet der 1,93 Meter große, gebürtige Birresborner als "bisher einzige und größte Niederlage meines Lebens". Doch vor dem erneuten Nestbau steht der Ausbau der Karriere.

Der stellvertretende Leiter der Finanzabteilung des Nachbarkreises Bitburg-Prüm gehört zu einer erfolgreichen Familie. Bruder Patrick ist Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arzfeld und Bruder Carsten Arzt in Daun. Der 31-Jährige steht zu seinem Ehrgeiz: "Die Ziele, die ich mir stecke, sollen auch gelingen, weil ich davon überzeugt bin."

Mit dem Slogan "Neue Energie für den Landkreis" wirbt er um Wählerstimmen. Scheinbar mühelos scheint er selbst Energie zu schöpfen. Spontan zählt er seine Energiequellen auf: "An den Jonas-Wochenenden, beim Spazierengehen oder beim abendlichen Abstecher bei Bruder Carsten in der Nachbarschaft. Da gibt es nämlich meistens was zu essen."

Seinen Haushalt schmeiße er unregelmäßig, und die Spülmaschine gebe er nie mehr ab. Allerdings kocht er gerne, vorzugsweise Fleisch. "Tafelspitz mit Meerrettichsauce ist mein Lieblingsessen, und alle paar Wochen Blutwurst mit Möhrenpürree", erzählt er beim Interview-Frühstück.

Schnieder legt Wert auf Etikette und gute Manieren. Ganz so genau nimmt er es dafür nicht beim Aufräumen. Schelmisch grinsend gesteht er ein: "Ich bin nicht pingelig, was Ordnung angeht. In meiner Unordnung finde ich alles wieder." Als Marotten räumt er ein, dass er "überall Licht brennen lässt".

Er empfand es als Ehre, für den Posten des Vorsitzenden des Musikvereins gefragt zu werden, obwohl er kein Instrument spielt. Immerhin sei die Hälfte des Vorstandes keine Musikanten.

Als Bass die Faszination der Gemeinschaft erleben

Den richtigen Ton trifft Schnieder seit 16 Jahren beim Kirchenchor. Mittlerweile in der Bass-Stimmlage, erlebe er die Faszination der Gemeinschaft. Bereits ein Jahr länger, nämlich seit 17 Jahren, filtert er seine Atemluft durch Zigaretten.

Um dieses Laster zu beenden, setzt er auf politischen Druck: "Ich hoffe aufs Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden. Das ist für mich die einzige Chance."

Wer wird Landrat des Landkreises Vulkaneifel?

Darüber entscheiden die Wähler am 22. April. Zuvor treffen die beiden Bewerber, Gordon Schnieder und Amtsinhaber Heinz Onnertz, aufeinander: beim Kandidaten-Forum des Trierischen Volksfreunds am Montag, 16. April, im Dauner Forum. Beginn ist um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei. Die Kandidaten werden sich dabei den nicht nur den Fragen der Moderatoren Marcus Hormes und Stephan Sartoris, sondern auch denen des Publikums sowie des Kontrahenten stellen.

Von GABI VOGELSBERG

Kontext
Datum 12.04.2007
Quelle Quelle: Trierischer Volksfreund
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